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Zu viel Spiegel

Manchmal habe ich Angst davor, verliebt zu sein, so wie jetzt gerade. Ich finde jemanden toll. Innerlich zähle ich mir sermonartig auf, was mich alles zu jemandem macht, den man nicht haben will. Alle meine Unperfektheiten, die eigentlich gar nicht schlimm sind. Meine Macken. Charakterlich wie körperlich. 

Also bekomme ich Angst, das könnte „rauskommen“ und alle zeigen mit dem Finger darauf. Eine alte Angst. 

Entstanden in einer Zeit, in der auf jede meiner noch so winzigen „Unnormalitäten“ mit dem Finger gezeigt wurde. In der ich dafür ausgelacht und abgewertet wurde. Wie ein Sandstein, der gern ein Diamant wäre. 
Schade eigentlich, denn verliebt zu sein ist etwas Schönes. Ich mag es, versehentlich zu vergessen, was ich sagen wollte, wegen eines Lächelns. Ich mag zum Lachen bringen, weil mir das Lachen gefällt. Auf die Schippe nehmen, um eine intelligente Retourkutsche zu kassieren. Und man sucht sich schließlich nicht aus, dass das passiert. Es passiert eben. [schnipps]
Nur mich selbst dabei auf meine Fehler zu reduzieren, das mag ich nicht. 

Deshalb igle ich mich jetzt noch ein bisschen ein und warte, dass das vorbeigeht. 

Liebste Grüße aus dem Off

Lari

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Das liebe Geld

Das mit dem Geld ist ja nicht nur bei mir ein immer mal wiederkehrendes Thema.

Es ist nicht alles, es macht allein auch nicht glücklich, es ist ungerecht verteilt und meistens ist zu wenig davon da.

Soweit der allgemeine Tenor.

Ich selbst habe einerseits lange gebraucht, um mit Geld richtig umgehen zu können, andererseits auch recht lange sehr bis zu wenig davon gehabt zum Leben.

Und ich hatte zum Glück viel Hilfe und zeitweise genug Jobs (naja, maximal 2. Lassen wir die Kirche im Dorf.) gleichzeitig, um das alles irgendwie zu wuppen.

In dieser Zeit baute ich Schulden ab, die ich zwar mit-, jedoch nicht allein verschuldet hatte. Wochentags in Vollzeit im Büro, wochenends in Teilzeit beim Pizzaservice. Von diesen Wochenenden habe ich gelebt, alles andere ging an die Gläubiger, 6 Monate lang, in denen ich glücklicherweise keine Miete zahlen musste, sondern bei meiner großartigen Mutter wohnen durfte.

Danach fing ich in kleinen Schritten wieder an, selbstständig zu werden. Doch trotz allem habe ich über die Jahre weiterhin jeden Cent zweimal umgedreht.

Jetzt bin ich bald zehn Jahre im Unternehmen, mein Einkommen ist also durchaus ein anderes. 

Ich arbeite in Teilzeit, natürlich der Kinder wegen, bekam noch nie Unterhalt, „nur“ Unterhaltsvorschuss. Immerhin ab Juli wieder für beide Kinder, was ich doch sehr schön finde. Bezahle für die Betreuung beider Kinder anteilig, was ich muss, bezahle Miete und Steuern, Versicherungen, Essen und Trinken, Freizeitlichkeiten, alles allein – und es geht uns gut. Ich frage mich nicht am Monatsersten, was wir bis zum Gehalt am 16. essen sollten, Tapete oder Moos. Sicherheitshalber schaue ich alle paar Wochen auf mein Konto und überschlage die Fixkosten des kommenden Monats. 

Neu ist seit etwa einem Jahr, dass ich dann überrascht feststelle, dass alles in Ordnung und im finanziellen Rahmen ist. Nachdem ich 12 Jahre lang ständig zu wenig Geld für alles mögliche hatte, lieber verzichtet habe, lieber zuhause blieb, lieber nur wünschte, statt mir zu kaufen, was auch immer – auf einmal kann ich.

Und – auch sicherheitshalber – bete ich mir dann immer wieder vor, dass ich das allein geschafft habe. Ich habe mir diesen Stand der Dinge erarbeitet und ich darf ihn genießen und mich darüber freuen. 

Es ist mein persönliches kleines Beispiel dafür, dass man eigentlich alles schaffen kann. Sowas ist wichtig. 

Stempel

Abgesehen von persönlichen Präferenzen, wie in meinem letzten Beitrag beschrieben, habe ich ein grundlegendes Problem damit, jemanden toll zu finden.

Nämlich meinen Familienstand. Ich bin Alleinerziehende.

Als Alleinerziehende wird einer zum einen grundsätzlicher Männerfang angedichtet. Frau ist laufend auf der Suche nach einem Ernährer. Ihr ist dabei egal, ob er nett, lustig, klug ist, Hauptsache, er bringt Geld nach Hause, wo es chronisch knapp ist.

Zudem ist sie im heutigen Volksmund nicht wählerisch, denn sie muss ja froh sein, wenn sie einer haben will, mit ihren Kindern von anderen Männern, schlecht gewählt waren die, sonst wäre die Alleinerziehende ja nicht allein mit ihrem „Problem“.

Auch hat jede Alleinerziehende ganz besondere Qualitäten, die diesen unschönen Umstand der vorhandenen Kinder irgendwie wettmachen. Natürlich spricht hier NIEMAND ganz sexistisch von Bettqualitäten, Kochkünsten oder hausfraulichem Maximaltalent. Niemand!

Ich „ernähre“ meine Kinder und mich selbst. Ich finde mich klug und witzig genug für normale Verhältnisse. Ich kann kochen, manchmal sogar backen, meine Sexualität geht nun wirklich niemanden etwas an, und ich halte soviel Ordnung wie möglich.

Ich erhebe den gewaltigen Anspruch, nicht „jeden“ zu nehmen, sondern einen potenziellen Partner auch selbst haben zu wollen. Ja, als alleinerziehende Problemfrau, total verrückt, ich weiß.

Doch wenn ich jemanden toll finde, hängt über dieser Empfindung das überdimensionale Damoklesschwert des „Du bist alleinerziehend, kein Mann möchte sich das ans Bein binden, leb damit, dass du eben nicht interessant bist, kümmere dich um deine Kinder und lass die Männer in Ruhe!“

Danke dafür, heutige Gesellschaft. Danke vielmals. Das macht es uns allen soviel einfacher.

Liebe ist nicht alles

Vor einer Weile habe ich beschlossen, dass Liebe und ich getrennte Wege gehen. Zumindest eine Zeit lang. Wie lang die sein wird, weiß natürlich kein Mensch, doch seit etwa zwei Jahren bin ich allein, weil ich das so will.

Es ist kein stures Bestehen darauf, es ist kein Selbstmitleid darin, keine Resignation. Mehr eine sachliche Feststellung. Dieses ganze Beziehungsding ist im Moment nicht gut für mich, es überfordert mich und macht mich oft unglücklich, selbst, wenn gefühlt alles in Ordnung ist. Das belastet mich, das belastet meinen imaginären Partner. Deshalb ziehe ich bewusst keine Gefühle für irgendwen in Betracht, die über Liebe für meine Familie und meine Kinder, ansonsten Sympathie, hinausgehen. Klar werden mir nun manche Menschen sagen, dass man echte Liebe nicht steuern kann und dass sich das alles ändern wird, wenn „die/der Richtige“ kommt. Ja, das mag sein. Ich kann nicht hellsehen. Doch im Moment könnte ich nicht unterscheiden, ob es diese „echte, wahre Liebe“ ist oder einfach ein weiteres Risiko, mich ungewollt in eine selbst verschuldete Abhängigkeit zu begeben, und würde mich weigern. 

Ich habe wegen der seelischen Versehrung lange gebraucht, bis ich allein sein konnte, ohne innerlich panisch oder hilflos durchs Leben zu trudeln. Dieses Leben, das ich jetzt habe, in dem ich mich mit mir selbst wohl fühle und meine eigene Chefin bin, ist für mich besonders. Nie habe ich es vorher geschafft, mich nach mir zu richten und nur nach mir. Sobald mir jemand wichtig ist, versucht meine innere Schraubzwinge, mich nach dessen Erwartungen auszurichten. 

Solange das so ist, lasse ich niemanden an mich ran und gebe keinem Reiz eines anderen Menschen mehr nach. Gucken ist okay, träumen erlaube ich mir noch nicht – wobei das keine bewusste Entscheidung ist: Sobald in etwas, dass ich mir wünsche oder vorstelle, ein realer Mensch eine Rolle spielt, bremst mich etwas aus, das unglücklicherweise Teil meines Unterbewusstseins ist, und mir sagt, dass ich nicht mal daran denken darf, denn irgendwer wird es erfahren und mich zum Gespött der Welt machen. Und im gleichen Moment verschwimmen alle Bilder dazu in meinem Kopf wie Wasserfarben in der Dusche. Natürlich ist das heute Quatsch, doch dieser Kopf hat das vor 20 Jahren unter grausamen Schulkindern gelernt und weigert sich bisher, umzulernen.

Zuerst arbeite ich daran, mich mir selbst nicht mehr ständig unter Wert zu verkaufen. Finde es okay, abends mit mir allein zu sein. Und lasse meinen inneren Teenager leicht verwundert zugucken.

Neun Jahre kaltes Wasser

Vielleicht langweilt das Thema manche inzwischen. Aber das Schöne an so einem eigenen Blog ist, dass ich die einzige bin, der dessen Inhalt richtig erscheinen muss. Und ich brauche das jetzt.

Als Opfer häuslicher Gewalt, psychisch wie physisch, kommt man schlagartig wieder in der normalen Welt an, wie ein Sprung ins kalte Wasser. Man versteht die Menschen um sich herum nicht, und sie können einen auch nicht verstehen.

Ich beobachte auch nach fast zehn Jahren noch immer, wie mich andere verwirren, nur weil sie nicht gefährlich oder unberechenbar sind. Wie ich nicht verstehe, dass jemand nicht auf mich herabsieht. Wie es mich freut, und dennoch verunsichert, wenn mir jemand ein Lob oder Kompliment ausspricht. Dass ich noch nicht glauben kann, irgendwas gut genug gemacht zu haben.

Der innere Drang, in allem immer noch besser werden zu müssen, einer nicht existierenden Instanz immer wieder meinen Wert beweisen zu müssen, geht vielleicht nie ganz weg. Das letzte bisschen Selbstwertgefühl ist vielleicht für immer verloren in einem Labyrinth aus Lügen und Erniedrigung, das ich noch immer nicht ganz verlassen habe.

Doch ich schaffe es im Moment tatsächlich, Dinge für mich zu wollen. Mir selbst etwas Gutes zu tun, ohne damit jemandem etwas beweisen zu wollen. Das klingt selbst in meinen Augen banal, aber nur von außen betrachtet. Innen drin weiß ich, dass das ein verdammt großer Sieg ist. 

Vielleicht bin ich in weiteren neun Jahren bereit, mich auch innerlich anzuerkennen. Das wäre top.

Zum Glück habe ich die besten Menschen um mich. In diesem Internet wie in diesem echten Leben. Kann nur klappen.

Es hinkt. Alles.

Wieder ist etwas Furchtbares passiert, wieder sind Menschen gestorben.

Wieder wird geschrien, dass „die“ die Terroristen herbringen. Hierher. Nach Berlin. Nach Paris. Überall hin, wo etwas schreckliches passiert.

Wieder sage ich: Nein.

Was die Terroristen des IS wollen, ist, Menschen umzubringen, die anders glauben. Menschen umzubringen, die die gleiche Nationalität haben wie die, deren Truppen sie daran hindern, in Syrien und Teilen des Irak ihren Gottesstaat aufzubauen. Sie fänden einen anderen Weg, wenn die Flüchtlinge nicht wären. Sie fänden immer einen Weg.

Würden „wir“, der Westen, den IS machen lassen wie er will, wäre der Flüchtlingsstrom noch viel größer. Denn sie könnten ihre Gewaltherrschaft uneingeschränkt weiterführen und trieben damit noch viel mehr Menschen auf die Flucht. Würden wir unsere „Grenzen dichtmachen“, wie es vielerorts verlangt wird, hielte das niemanden von irgendwas ab. Wir würden eine humanitäre Katastrophe provozieren, die für uns zu viel mehr Entbehrung führen würde.

Wir sind auf dem richtigen Weg, so hart er auch sein mag.

Und wir werden weder islamisiert noch daran zerbrechen, wir sind ein Land voller Möglichkeiten und Alternativen (außer der für Deutschland, die sind keine), wir rocken das.

Wir haben Meinungs- und Pressefreiheit, wir haben ein funktionierendes Sozialsystem und die Chance, die Ärmsten der Armen sozial abzuholen. Machen wir es doch einfach.

Depression 

Depression wird immer noch gern auf die Bank der Phasen und Launen abgeschoben. 

Depression ist eine Krankheit.

Depression macht, dass dir die kleinste Aufgabe vorkommt wie Eulen nach Athen tragen. Von Lübeck aus. Zu Fuß.

Depression macht, dass der innere Akku dauernd auf 10% ist und du eigentlich gerade Dropbox synchronisieren sollst.

Depression zeigt dir die Grenzen deiner Leistungsfähigkeit auf mit der Behutsamkeit eines Presslufthammers. 

Ja, es ist etwas Innerliches. Etwas persönliches. 

Nein, man hat es nicht selbst in der Hand. Man kann nicht STOP rufen und ist plötzlich nicht mehr depressiv, weil man sich dagegen entschieden hat.

Man beschließt nicht, motiviert und präsent zu sein und ist es dann einfach.

Man beschließt es und steht einem massiven Vorhang aus motivierten, glücklichen Menschen gegenüber. Menschen, die auch eine Meinung haben, es aber individuell vertreten können, das zu wählen.

Depression macht hilflos und unmotiviert, haltet bitte dagegen. Auch gegen kritische Stimmen.

Seid da, wenn ihr könnt. Niemand ist auf unsere Unversehrtheit angewiesen, aber viele auf Eure.