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Bingo, Sudoku und Twitter 

03/11/2016

Die Sache mit dem Handy

Ich werde oft, meist scherzhaft, darauf angesprochen, wieviel Zeit ich damit verbringe, in mein Telefon zu starren.

Natürlich erst recht seit meinem Unfall neulich, der darauf zurückzuführen war, dass ich aufs Display statt nach vorn gesehen habe.

Es stimmt, das tue ich. Aus mancher Sicht bestimmt zu viel und zu oft. Aber ich möchte anhand einiger Beispiele erzählen, wieso ich das tue.

Bingo

Beispielsweise spiele ich Bingo. Den Namen umweht zunächst ein Hauch von Lockenwicklern, Pomade und Zitronentee. Also erkläre ich, wie ich es spiele. 

Ich wähle stets vier Bingo-Karten gleichzeitig. Das Spiel beginnt. Und in meinem Kopf beginnen zwei Zählrhythmen. Einer behält im Hinterkopf, dass pro Runde 29 Zahlen aufgerufen werden, und er zählt in jeder Runde mit, wie viele Treffer ich erziele. 

Der zweite berücksichtigt, wie viele Zahlen schon aufgerufen wurden, rechnet dagegen, wie viele Treffer ich gelandet habe, und berechnet daraus laufend eine meistens einstellige Zahl.

Auf diese Weise beschäftige ich meinen Kopf auf mehreren Ebenen gleichzeitig mit ein und derselben Sache. Es mag vielleicht anstrengend klingen, aber mich entspannt es. Ich kann mich in diesem Moment fokussieren und es werden nicht noch auf dem B-Kanal Einkaufslisten, Erziehungstheoreme und Finanzen überschlagen. 

Sudoku 

Hier verhält es sich ähnlich. Ein Sudoku, gerade ein komplexeres, zu lösen, erfordert, dass man für mehrere Zifferngruppen gleichzeitig denkt. 

Fehlen in einem Unterquadrat noch vier Ziffern und ich kann eine eintragen, welche Auswirkung hat dieser Eintrag auf die möglichen Positionen der anderen? Wirkt sich dieser Eintrag innerhalb seiner Spalte und Zeile darauf aus, wo die anderen dort fehlenden hingehören? 

Diese Rückfrageprozesse laufen in meinem Kopf meistens parallel ab und tragen dadurch dazu bei, dass ich keine weiteren komplexen Themen zeitgleich herumwälze. Das bedeutet innerliche Entspannung für den Moment.

Twitter 

Twitter ist wohl die am häufigsten genutzte App auf meinem Telefon seit Jahren. Und es hat auch eine derartige Wirkung, weil die Komplexität des menschlichen Charakters kaum Grenzen hat. 

Ich folge vielen Menschen, unglaublich verschiedenen Charakteren, und kenne sicherlich nicht jeden so gut, wie er es verdient hat. 

Doch ich scrolle durch meine Timeline, sammle Eindrücke, und mit jedem Eindruck wird auch eine Information transportiert und gespeichert. Mit jeder gespeicherten Information wird ein kleiner Denkprozess angestoßen, der abruft, was ich von diesem Menschen weiß, wann wir uns (falls überhaupt schon mal) das letzte Mal gesehen haben, wie gut ich seine/ihre Situation kenne, wie ich den jeweiligen Tweet im Rahmen dessen bewerte, ob und wie ich darauf reagieren will und en Detail, was das bewirken soll oder wird. 

In Anbetracht von aktuell 517 Followings ein Feuerwerk an Synapseninteraktion, das auf manch einen wie körperlich spürbarer Stress wirken muss, für mich aber eine Möglichkeit ist, kurz auszuspannen. Einen Augenblick lang ausgeglichen zu sein, weil all meine Energie auf etwas konzentriert ist und nicht sich selbst weiter hochpusht.
Ich stehe, besonders geistig, für Gewöhnlich den ganzen Tag unter Hochspannung. Diese Momente sind für mich so etwas wie 3 Minuten Urlaub.

Deshalb mache ich das manchmal bewusst. Deshalb ist mir das so wichtig. Weil es mir hilft, für kurz die Notbremse zu ziehen.

Deshalb bin ich manchmal geradezu angewiesen darauf, mich in eins dieser Dinge oder etwas ähnliches zu verkriechen.

So. Das wollte ich unbedingt mal erzählt haben.

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