Skip to content

Gastbeitrag: Drittanbieter und schlechte Laune 

21/06/2016

Dieser Gastbeitrag von @albrechtgold ist zu eurer Sicherheit geleakt. 
Meine persönliche Erfahrung mit kriminellen Drittanbietern
 

Ich arbeite inzwischen seit bald zehn Jahren im Kundenservice. Jahrelang habe ich unseren Kunden am Telefon geholfen, wenn etwas nicht funktionierte. Seit über zwei Jahren bin ich Redakteur in einem großartigen Social Media Team. Ein alter Hase. Dennoch lerne ich nicht aus. „Drittanbieter“ waren und sind öfter mal ein Thema bei uns. Das sind Anbieter von Diensten, die man über seinen Vertrag benutzt und über die Telekomrechnung bezahlt, die aber für sich und ihre Dienste total eigenständig sind. Sky oder das von mir genutzte Spotify sind ganz gute Beispiele. Die machen ihr eigenes Ding (mit uns als Partner) und wenn ich was klären muss, sage ich dort Bescheid. Eigentlich ganz einfach. Aber auch wieder nicht. Wenn man auf der Rechnung einen Fehler entdeckt, dann steht auf dieser Rechnung zuerst nicht Spotify oder Sky. Da steht nur Telekom und „Leistungen anderer Anbieter“. Man kommt da nicht gleich drauf, wo man sich melden muss. Das ist doch klar.

„Wir erheben die Kosten im Auftrag eines anderen Dienstleisters. Sie müssen sich dorthin wenden, wenn das nicht richtig ist.“ „Nein, wir wissen nicht im Detail, wofür diese Kosten erhoben werden. Sie müssen sich an den Dienstleister wenden.“ Das war damals an der Hotline die Sorte Gespräche, die ich nicht besonders mochte. Wir haben die Beträge auf der Rechnung, sind aber doch nicht zuständig, wenn was ist. Und so richtig vorstellen, wie das aus Kundensicht ist, war für mich schwer- bis jetzt. Bis es mich auch mal erwischte. Eine Abofalle schlug zu.

IQ Fun

Mein Kollege Erik benötigte heute einen speziellen Link für den „Sperrkonfigurator“. Ich habe ihm den gesucht und bin dabei in meinem Kundencenter über einen ungewöhnlichen Eintrag gestolpert. Summe der Verbindungen im Juni: 21,54 Euro! Was? Wofür denn? In meinem Handyvertrag ist fast alles inklusive. Was habe ich denn da zu bezahlen? In den Details: 2 x Leistungen anderer Anbieter für bald 20 Euro . Ich habe definitiv nichts für jeweils knapp 10 Euro gekauft. Das wüsste ich.

Achtung! Jetzt kommt der Bogen zum Sperrkonfigurator J Den rief ich mir jetzt auf (schickte Erik auch eben noch den Link) und dort stand: die Firma Crown Mobile D.O.O. hat das „Abo IQ Fun“ mit jeweils 9,99 Euro berechnet.

Music Streaming war ebenfalls dort aufgelistet- geht absolut klar. Das ist Spotify.

Seit Mai. Ich habe das gar nicht gemerkt- wer guckt sich denn jeden Monat seine Rechnung an. Jaja ich weiss: gerade ich sollte das wissen- unverantwortlich- selbst schuld… Meine Güte! „80 % von uns kraulen sich auch mal die Eier…“ aber was ein Aufschrei, wenns Jogi im Schritt klemmt und er die Kronjuwelen korrekt ordnet! Also ja: ist doof weiß ich, aber ist auch egal jetzt, weil bereits passiert. Außerdem darf ich wohl noch die Schuld immer zuerst überall, außer bei mir selbst, suchen oder was? <3<3

Die Suche nach Mr. X

Ich wollte wissen, wer „Crown Mobile D.O.O.“ ist. Klingt schon so seriös. In den Details: Eine Anschrift in Zagreb, eine Internetadresse http://www.contnet.de (klingt schon besser), eine Hotline Nummer und eine Mail-Adresse. suppport@wildfone.de . Da passt ja mal nix zusammen- kein Wunder!
Contnet.de ist die Adresse der „Contnet AG“. Auf deren Seite findet man rechtschreibschwache Aussagen wie: „Einfach und sicher Leistungen gegenüber den Endkunden über die Mobilfunkrechnung abrechnen: das ist die CONTNET AG.“ Oder: „Eine ordungsgemäße Abwicklung ist dabei für post-paid (Vertrags-) und pre-paid Kunden sichergestellt.“

Jawoll! „Wir treibens mit jedem- Hartgeld ist auch okay.“ Hätte da auch stehen können. Die ordnungsgemäße Abwicklung bezieht sich freilich nicht auf den der zahlt- mich. Klar, wäre ja auch jetzt nicht so profitabel von Profit her.

Anzeige ist raus!
Irgendwen musste ich auf jeden Fall dort zu fassen kriegen. Ich rief also an. Eine recht nett gemachte Hotline IVR. Drücken Sie mal diese oder jene Nummer à der nächste freie Mitarbeiter ist für sie reserviert à leider sind alle Leitungen belegt, rufen Sie bitte später woanders an… und es wird aufgelegt. Ich musste ziemlich lachen. So kann man es also auch machen. Aber hey! Wirklich nett gemacht dieses Gimmick.

Dann eben per Mail. Brief wollte ich nicht, denn ich weiss nicht wie das mit Briefmarken läuft- ich hol die ausm Museum oder so? Liegen die da neben den Faxgeräten?

Angeschrieben habe ich: info@contnet.de und support@wildfone.de Beides .de!

Meine Mail war sehr beleidigend. Sehr sehr. Hingerotzt. Halbfertige Sätze und übelster Fäkalwortschatz. Mal so richtig Gosse schreiben und Dampf ablassen, weil ich das grad nicht anders wollte und es mir ehrlich gesagt scheissegal war.

Wer antwortete? Der neben der eingekauften Fake-Hotline zusätzlich preiswert erstandene Bot aus Zagreb. Und das mit einem blitzsauberen Textbaustein, den ich neidlos bei uns erwartet hätte. Echt gut. Die Forderung von mir, dass die mir mein Geld zurückzugeben haben, dass ich die anzeige… kann man schon mal übersehen. Peanuts. Immerhin habe ich angeblich mein Abo jetzt fristgerecht (Schenkelklopper) gekündigt. Super!

Das war der erste wichtige Schritt. Jemanden finden, eine Adresse oder einen Namen. Irgendwas. Dann dort sofort anrufen, mailen. Freundlich geht das übrigens auch, weiss ich. Wollte ich nicht. Nächstes Mal vielleicht.

Der zweite Schritt: Ich war bei der Polizei und habe Anzeige erstattet. Ich hatte einige Screenshots meiner Google Suchergebnisse ausgedruckt dabei und den Mailverkehr habe ich der netten Polizistin weitergeleitet. Die sind so lieb und kümmern sich jetzt drum.

Und drittens habe ich mir endlich (leider viel zu spät) eine Drittanbietersperre eingerichtet. Ich bin in Zukunft gegen so einen Mist abgesichert. Einmal reicht.

Drittanbietersperre, Drittanbietersperre, Drittanbietersperre – 10 mal hintereinander sagen

Leute: wenn noch nicht erledigt: Drittanbietersperre! Echt! Kostet auch nix. Spart euch aber im Notfall ne Menge Kohle. Ich kann doch nur drüber lachen, weil ich hier arbeite und verhältnismäßig glimpflich davon kam. Sonst ist das garantiert nicht son Spaß.

Zeigt diese Leute an! Wenn ihr euch sicher seid, dass ihr keine Verträge abgeschlossen habt und euch da jemand Unrecht tut, dann geht zur Polizei. Das dauert zehn Minuten und es ist eure Bürgerpflicht! Geht auch zum Verbraucherschutz- wehrt euch! Teilt eure Erfahrung in der Telekom hilft Community und teilt euer Wissen dort und in eurem privaten Umfeld.

Ich hoffe ich konnte etwas zeigen was man so machen kann. Wenn ihr jetzt wisst, wies läuft dann freue ich mich.

P.S.: Kollege Erik hatte das auch vor ein paar Wochen. Er hat inzwischen sogar sein Geld zurück bekommen. Und eine naaa? DRITTANBIETERSPERRE!!!! J

Ich bekam eben eine Mail, in der mir drei Seiten lang erklärt wurde, dass ich nachweisbar irgendwas dreimal angegeklickt hätte. Is klar!

Advertisements

From → Uncategorized

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: