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Hinter der 29 ist es auch ganz schön

08/09/2015

Mit 30 ist nicht alles schlecht. Nicht mal, wenn man seine persönlichen Ideale auf dem Prüfstand für nicht mehr zeitgemäß befindet und ersetzt.

Ich wollte immer um jeden Preis integer und konsequent sein und als Erste das Richtige tun. Egal, was es mich kostet. 

Heute frug ich mich: Warum sollte ich das in Situationen tun, in denen ich die Einzige bin, die fair ist? Versteht mich nicht falsch: Ich halte nach wie vor viel von Fairness, Ehrlichkeit ist ein hohes Gut und Integrität mir nach wie vor wichtig.

Aber ich werde nicht länger meine Kraft darauf vergeuden, für das bessere Gefühl im Bezug auf mich selbst immer gerade zu stehen, wenn dafür ich diejenige bin, die eine schmerzhafte Niederlage kassiert, die eigentlich nicht meine gewesen wäre. Die ich nur erdulde, damit der Andere nicht selbst aktiv werden muss. In der niemand außer mir Notiz davon nimmt, dass das meine Leistung war. 

Was hat sich geändert? Ich erlaube mir, schwach zu sein. Ich gestehe mir zu, in etwas nicht den Idealen zu entsprechen, die ich mir seit der Pubertät zum Ziel gesetzt hatte, und tu stattdessen, womit es mir am besten geht. Zumindest da, wo das niemanden Unbeteiligten benachteiligt. Ich sage völlig schamlos „Das kann ich nicht.“, dafür „Darin bin ich besser.“. Ich erkenne also tatsächlich auch mal eine eigene Leistung an. Ein Talent. Etwas Gutes an mir. Hier und da. Damit lebt es sich öfter leichter, als mir vorher bewusst war. Wie auch.

Warum hat sich das geändert? Warum gerade jetzt? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß aber, dass ich das noch vor fünf Jahren nicht gekonnt hätte. Nicht mal vor einem. Dass ich diese Ziele brauchte und es mir wie ein Verrat an allem, was ich bisher dafür getan habe, vorgekommen wäre, von ihnen abzusehen. Jetzt scheine ich mich richtiggehend zu mögen und bin bereit, nachsichtig zu sein. Mir selbst auf den Kopf zuzusagen, dass ich gar nicht alles können MUSS. 

Ich werde auch tatsächlich dieses „ruhiger“, von dem immer alle reden. Obwohl ich vorher nie hätte übersetzen können, was das heißt. Oder es bewusste werden. Sicherlich entlockt dieser Punkt Menschen, die noch einmal 10, 20 oder 30 Jahre älter sind, ein müdes Lächeln – vielleicht auch der ganze Post, aber hey, ein Lächeln ist ein Lächeln. (Vorschlag Autokorrektur: Ein Lächeln ist ein Landkreis. Vielleicht auch das.)

Ruhiger werden ist wie ein Klick im Kopf. Probleme, die mich in bestimmten Situationen seit Jahren zur Weißglut trieben, ohne dass ich eine Lösung gefunden hätte, haben auf einmal einen neuen Blickwinkel, aus dem ich es ja noch gar nicht versucht habe. Das ist nett und bietet viel Platz für neue Lösungsanläufe. 

Ich fange jedenfalls wirklich an, dieses Alter zu mögen. Mal gucken, was in der kommenden Zeit noch so alles neu ist. Auf jeden Fall ist es kein Grund, sich zu fürchten oder nervös zu hinterfragen und auch keine Schallmauer, hinter der der festgefahrene Rest des Lebens wartet. 

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2 Kommentare
  1. Das Ruhiger-Werden ist im Grunde das Reifen eines Menschen. Mehr Lebensjahre bringen mehr Erfahrungen mit sich, die andere Blickwinkel ermöglichen. Du bist nicht alleine damit 🙂 Meine 30 sind schon lange vorbei und es hört nicht auf. Früher dachte ich, ich erfinde mich neu, aber das ist lediglich eine Auswirkung.
    Zuerst konnte ich meine eigene Meinung ändern, dann andere Meinungen akzeptieren und mittlerweile kann ich sogar zuhören. Das nur als Beispiel. 😉

    • Letzteres funktioniert bei mir andersherum: Mir fehlte bisher in den meisten Punkten das Selbstvertrauen, meine eigene Meinung gelten zu lassen und gegen eine andere zu verteidigen. 🙂

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