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Wissen macht gelassen

04/03/2015

Als mein großes Kind ein Baby war, war ich praktisch nonstop nervös. Ständig beobachtete ich das kleine Wesen, es konnte doch nicht sagen, was ihm fehlt, mir durfte nichts entgehen! Ich klebte förmlich an ihm, mein ganzer Tagesablauf richtete sich nach ihm, jedes Schreien ein roter Alarm in meinem Kopf.

Ich wurde hysterisch, wenn ich nicht machen konnte, dass es aufhört. Machte mir Vorwürfe, dachte, ich muss die einzige Mutter auf der Welt sein, die ihr Baby nicht versteht. Und war irgendwann mit meinen Kräften am Ende. Dachte sogar manchmal „Das hört nie auf. Ich werde nie mehr schlafen, ohne jederzeit parat sein zu müssen.“, fand es schrecklich. Dann fand ich mich schrecklich, wie konnte ich sowas denken, er war doch mein Baby und ich musste ihn doch immer lieb haben. Sonst hatte er doch niemanden!

Jetzt ist das kleine Terroristenbaby in der ersten Klasse und ich habe ein bisschen Abstand von diesem ersten Jahr. Sicherlich habe ich nicht alles richtig gemacht, wer kann das schon von sich behaupten? Aber ich habe uns beide heil durch diese Zeit gebracht. Sie ging dann nämlich doch vorbei. Er kann heute sehr präzise sagen, was ihm fehlt. Und auch problemlos mit einem „Bin gleich da“, „Jetzt nicht“ oder „Warte 5 Minuten“ leben. 

Was mir das für das neue Baby gebracht hat: Ruhe. Nicht mehr ständige Alarmbereitschaft. Einen technischen Defekt erbrüllt man sich nicht. Ich spare es mir, uns beide irgendwelchen Ratgeberregeln zu unterwerfen, für Fütterungszeiten die Uhr zu stellen oder ununterbrochen im Dienst zu sein. Wittere kein Verwöhnen, wenn ich ihn mittags auf meinem Arm schlafen lasse, mache mir aber auch keine Vorwürfe, wenn er ein bisschen schimpft, weil er abends im eigenen Bett liegen muss.

Keine Schraubzwinge „Baby“ mehr. Das betrachte ich als Fortschritt und finde es auch irgendwie nur fair, dass aufreibend gemachte Erfahrung sich in einem wesentlich entspannteren Gemüt auszahlen.

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