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The spirit of „Du wolltest das ja so!“

12/10/2014

Wenn es etwas gibt, womit ich gern bitte nicht groß geworden wäre, dann ist es die fortwährende Verurteilung dafür, etwas zu beanstanden.
Also, zu jammern.

Bis heute ernte ich dafür in meiner Familie größtenteils „Du wolltest das ja so.“. Ja, ich hab es mir ausgesucht. Was auch immer gerade die letztendliche Ursache ist.

Aber prinzipiell habe ich mir meistens nur eine Richtung ausgesucht, wie Menschen das eben so machen. Wenn ich mich zum Beispiel für einen Job bewerbe, weiß ich vorher, wo ich arbeite, beklage mich also nicht über eine weite Anfahrt oder darüber, dass ich vielleicht in eine andere Stadt ziehen muss. Das wusste ich ja vorher. Aber auch für „Diese eine Kollegin, die abgrundtief nervt.“ oder „Das eklige Essen in der Kantine!“ würde ich ein lapidares „Du wolltest das ja so!“ hören.

Mich hat das von klein auf gelehrt, sehr sorgfältig abzuwägen, bevor ich eine Entscheidung treffe. Zu sorgfältig manchmal. Grundsätzlich halte ich es für gut, sich dessen bewusst zu sein, dass so eine Entscheidung immer auch Folgen für viele andere Dinge hat. Man wundert sich dadurch hinterher weniger.

Aber das Bewusstsein, das einem „Du wolltest es ja so!“ vermittelt, ist: Ich habe das so entschieden, ich muss mir aller Konsequenzen von vornherein bewusst gewesen sein, also bin ich auch verpflichtet, mit ihnen allein klarzukommen. Allein ist das Stichwort.

Und das ist Blödsinn. In einem funktionierenden Sozialgefüge muss ich nichts allein schaffen, was mich kaputt zu machen droht. Oder zumindest das wenigste. Offenbar ist man sich dessen durchaus bewusst. So bekomme ich oft gesagt „Sag, wenn du Hilfe brauchst!“, und es rührt mich. Es bedeutet mir viel. Nur kann ich das sehr, sehr selten annehmen. Denn immer droht darüber der Schatten von „Du wolltest das ja so!“ und mit ihm ein süffisantes „Na, nächstes Mal überlegst du dir das besser, nech?“.

Eigentlich ist das schade. Konsequent zu seinen Entscheidungen zu stehen ist gut. Hilfe annehmen zu können wäre das auch.
Wenn ich das mal wieder nicht kann: Seid nicht böse. Es bedeutet nicht, dass ich das Angebot nicht schätze. Ich kann es nur nicht mit meinen Erwartungen an mich selbst vereinbaren.

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6 Kommentare
  1. Meine Liebe,
    Du schreibst zum Abschluss: „Konsequent zu seinen Entscheidungen zu stehen ist gut.“
    Ich würde das nicht uneingeschränkt so stehen lassen. Denn es ist nun mal so, dass man Entscheidungen in einem bestimmten Moment trifft und zu diesem Zeitpunkt X nur das Wissen von X hat. Dinge verändern sich aber nun einmal, sei es die äußeren Umstände, sei es in der Erkenntnis um eigene Berdürfnisse oder eben etwas das erst ausgelöst wird durch die getroffene Entscheidung.
    Plötzlich hat man einen Kenntnisstand von Zeitpunkt Y und weiß mehr, als noch bei X. Und wenn man dann, mit neuen Erkenntnissen und neuem Wissensstand, die vorherige Entscheidung für nicht mehr richtig hält, dann hielte ich es für konsequent, genau daraus die Konsequenzen zu ziehen und nicht auf Deubel komm raus bei der alten Entscheidung zu bleiben, nur um zu ihr zu stehen. Man hat vielleicht vorher etwas „so“ gewollt, das heißt aber nicht, dass man es später nicht auch anders wollen kann. Und damit meine ich nicht derlei Entscheidungen, bei denen man aus Bequemlichkeit nicht dabei bleibt. Es gibt auch solche, und bei denen ist es gut, dazu zu stehen, auch wenn es schwer fällt. Die sind hier aber nicht das Thema.

    „Hilfe annehmen zu können wäre das auch.
    Wenn ich das mal wieder nicht kann: Seid nicht böse. Es bedeutet nicht, dass ich das Angebot nicht schätze. Ich kann es nur nicht mit meinen Erwartungen an mich selbst vereinbaren.“

    Auch hierzu noch eine Anmekung: Ich werde Dir weiterhin meine Hilfe anbieten, ob Du sie annimmst oder nicht, ob Du etwas „vorher so gewollt hast“ oder nicht, vollkommen egal. Wenn Du Hilfe brauchst und ich sie Dir geben kann, dann wirst Du sie bekommen. Und wenn Du nach Hilfe fragst (und ich weiß, dass das eine Überwindung ist), dann wirst Du von mir eine ehrliche Antwort bekommen: wenn ich Dir aus welchen Gründen auch immer gerade nicht helfen kann, dann werde ich das sagen, und wenn ich es kann, dann werde ich helfen. Ich möchte nicht, dass Du Angst hast, zu fragen, weil Du vielleicht vermutetest, ich traute mich nicht, auch mal abzulehnen.
    Und niemals wäre ich böse, wenn Du nicht fragtest/ein Angebot nicht annähmst, nichtsdestotrotz wünsche ich Dir, um Deiner selbst willen, dass Du so gnädig mit Dir und Deinen Ansprüchen an Dich selbst zu sein lernst, wie Du es auch anderen zugestehst.

  2. Du bist ich. ❤

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