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Und einmal, im Slapstick-Cartoon

11/07/2014

Ich wollte kurzentschlossen vernünftig sein und zum Hautarzt gehen. Offenbar ist mir das nicht vorbestimmt.

Mein Hautarzt kennt unser Familienproblem, mein Vater ist schon sein Patient – Hautkrebs. Ich habe die Veranlagung zu einer Millionen Leberflecken geerbt und bin also aus Sicherheitsgründen Stammkundin.

Nun treffen verschiedene Dinge aufeinander, die man wissen sollte. Mein Hautarzt hat seit Jahr und Tag nur für OPen Termine vergeben. Für alles andere kam man zur „offenen Sprechstunde“, schaute kurz auf die aktuelle Wartezeit, nahm Platz und fasste sich in Geduld. Darauf war ich vorbereitet.

Dann ist er außerdem kürzlich mit der Praxis umgezogen. Scheinbar nach dem Kriterium „Finde eine Örtlichkeit, um die herum die Chance auf einen Parkplatz sich umgekehrt proportional zur Chance auf einen Strafzettel verhält.“. Und in den vierten Stock.

Nunja. Ich habe ein anderes Wehwehchen als meine üblichen Leberflecken. Raf meinen Vater an, um mir die Adresse abzuholen. „Fahr unbedingt gleich hin, könnte ja alles Mögliche sein.“ Wo er recht hat, hat er recht.

Kind eingepackt. Beschäftigungsutensil und Geduld auch.
In die kaum volle Kieler Innenstadt am Freitag Nachmittag. Los geht’s.

Das Parkplatzglück war uns hold. Die eine Stunde bis zum Ende der kostenpflichtigen Tageszeit mit einem Euro sogar erschwinglich.

Auf in den vierten Stock. Im Ohr hab ich noch Papa „Der Fahrstuhl braucht ewig, nimm ruhig die Treppe.“. Klar. Geht los.

Vier Stockwerke später Ernüchterung 1 von 2: Verschlossene Türen und der Dank für unser Verständnis dafür, dass derzeit nur Termine und Notfälle behandelt werden.

Machen wir halt nen Termin. Wieder unten angekommen (derweil von links unten ein klägliches „Mama, ich muss dringend!“), steht auf der Tür: „Termine nach Vereinbarung“. Keine Telefonnummer, aber wenigstens eine URL. Internet am Telefon sei Dank: Telefonnummer aufgetan. Öffnungszeiten auszuweisen wird offenbar überbewertet.

Mein Anruf („Mama, ich muss WIRKLICH dringend!“) führt auf eine Bandansage, die sinngemäß zunächst den vollständigen Ärztestab inklusive Leistungsspektrum vorstellt, sich WAHNSINNIG freut, dass ich anrufe, um mir dann („Ich MUUUSS!“) mit Bedauern mitzuteilen, dass ich außerhalb der Sprechzeiten anrufe. Einen Termin dürfe ich aber gern vereinbaren, man sei unter dieser Nummer ab acht Uhr jeden Tag von Montag bis Freitag erreichbar.

Ende vom Lied: Junior kam noch rechtzeitig zur Toilette, ich hoffe am Montag Morgen auf einen Gesprächspartner aus Fleisch und Blut und werde bis dahin wenigstens statt einer juckenden, kleinen Stelle schon wieder eine offene Wunde vorzeigen können. Immerhin lohnt sich’s dann.

Manchmal frage ich mich, in wie vielen Kinos mein Leben als Pausenfüllercomedy läuft.

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One Comment
  1. „Manchmal frage ich mich, in wie vielen Kinos mein Leben als Pausenfüllercomedy läuft.“

    Die Frage hab ich mir auch schon zu oft gestellt…

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