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Es ist doch nur!

11/12/2013

Menschen brauchen Werte, um sich daran zu orientieren.
Die können unterschiedlich sein wie Tag und Nacht, denn das sind die Menschen selbst auch.
Diese Werte definieren für jeden von uns richtig und falsch, gut und schlecht, schön und hässlich, ganz individuell. Und sogar individuell und mainstream. Manchmal zumindest.

Was ich wohl nie verstehen werde, auch, wenn das seltsam klingen mag:

Wieso man diese Werte, die entscheidend dafür sind, wie man mit seiner Umgebung interagiert, von Anderem abhängig macht. Von dem, was ein Anderer denkt. Von Dingen, vom Besitz, Verfassung, Vorlieben. Um nicht missverständlich zu erscheinen: Ich spreche nicht von Prioritäten, die man in einer wie auch immer gearteten Beziehung zu einer anderen Person setzt. Nicht von Meinungen zu irgendeiner Tatsache, Ansicht, einem Vorfall, Glauben, Sexualität oder dergleichen. Ich meine das, was man als Maß ansetzt, um die eigenen Entscheidungen zu treffen, die eigene Meinung zu bilden und den eigenen Weg zu gehen. Das, was im eigenen Kopf passiert, bevor man etwas tut, sagt oder für sich selbst bewertet.

Ein Paradebeispiel dafür ist für mich, wie könnte es anders sein, Twitter.

Wieso ist jemand wichtig, weil ihm tausende Menschen auf Twitter folgen?
Jeder dieser Follower hat eine individuelle Entscheidung getroffen, lesen zu wollen, was derjenige schreibt. Macht es ihn glaubwürdig? Macht es ihn „echter“? Macht es, dass er mehr wert ist, als Mensch, als jemanden mit 5000 Followern weniger? Ein Twitteraccount ist ein Werkzeug zum Kommunizieren. Twitter ist ein Werkzeug, eine Plattform. Jeder Twitteraccount hat seine eigene Geschichte, jeder mit vielen Followern hat einen individuellen Grund, aus dem er sie hat. Was sie vereint: Dahinter sitzen Menschen. Meist ein einzelner, mal auch ein Marketingteam. Über die Persönlichkeitsunterschiede zwischen Account und Mensch habe ich mich schon mal ausgelassen. Mein Punkt heute ist nur: Es ist nur ein Werkzeug, ein Dings, das da ist. Es macht keine Persönlichkeit aus, keinen Charakter, wie viele Follower man hat. Es ist ein einzelnes Talent, nämlich das des Formulierens, des Herumspielens mit Worten, oder ein bestimmter Humor, ein bestimmtes Schema, das viele Menschen anspringt.

Es ist doch nur Twitter!

Genauso aber könnte ich weitere Beispiele finden, abseits von Twitter. Was ist mit dem Krieg Apple gegen Samsung? Nicht der um Patente, Formen und Funktionen, sondern der zwischen den Usern. Apple, weil Apple draufsteht, weil es alles kann, was ich brauche, oder Samsung, weil Samsung drauf steht, weil es weniger eingeschränkt ist, weniger gängelt und mir die Funktionalität besser gefällt? Nicht, dass es auch einfach die eigene, freie Entscheidung sein könnte, das eine oder das andere komfortabler zu finden.

Ein ewiges Definieren über Dritte, über einen global agierenden Konzern, dem deine persönliche Meinung zu recht völlig schnuppe sein kann.

Es ist doch nur ein Telefon!

Kleidung auch. In meiner Kindheit/Jugend waren es Fishbone, Kappa, Nike, Adidas, Billabong, Wasweißich, Hauptsache Klamotten, wo der Markenname am besten in Leuchtschrift draufstand. Mich selbst hat das dazu erzogen, nur noch Werbung laufen zu wollen für Dinge/Firmen/Events, die ich wirklich mag. Wenn irgendwo groß ein Herstellername draufstand, fand ich es pauschal blöd, es sei denn, er lautete „Wacken“, „Queen of Darkness“ oder sowas.

Es ist doch nur Kleidung!

Oder Arbeit. Beruf, Werdegang, Schulabschluss, Ausbildung. Was man daraus macht, mag etwas über die eigene Persönlichkeit aussagen, aber nicht die Dinge an sich. Was genau degradiert jemanden ohne Schulabschluss, menschlich gesehen, gegenüber jemandem mit Abitur? Was sagt ein abgebrochenes Studium über den Charakter eines Menschen aus? Dass er unstet ist? Oder dass er ganz entschieden, nach so gründlicher Prüfung, dass er fünf Semester studiert hat, bestimmt hat, dass er auf dem falschen Weg ist? Tausend Variationen. Alle mit dem Grundsatz „Dazu muss man denjenigen kennen“.

Es ist doch nur Arbeit!

Und so geht es mir weiter und fort mit all den Oberflächlichkeiten des Alltags. Und verleitet mich, Oberflächlichkeiten an sich beknackt zu finden. Und die fehlende Fähigkeit, abzuwarten, was der Mensch dahinter birgt, als Verfehlung. So bin dann ich halt.

Es ist doch nur eine Äußerlichkeit!

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2 Kommentare
  1. Krauss permalink

    … den „Apfel“ auf den Kopf getroffen. 😉

  2. Hat dies auf killefitz rebloggt und kommentierte:
    Löve Lari, löve!

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