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Kultur und Kilometer – Los Angeles 2

30/05/2013

Damit nicht ein und derselbe Post immer länger wird, beschloss ich gerade, das Tagebuch aufzuteilen.

Und damit es nicht zuviele einzelne Posts werden, in jeweils 1 oder 2 Tage, je nach Textmenge.

Mir gefällt das so.

Tag 2

Heute war ein Tag der Kilometer. Genau bestimmen kann ich sie nicht, da müsste ich meine Füße fragen. Die sind aber erstmal nicht ansprechbar.

Angefangen ist der Mittwoch um 4 Uhr früh – das seltsame Samsung (‚tschuldigung) meiner Mutter hatte wegen irgendwelcher Dringlichkeiten die ganze Nacht sein Display beleuchtet und weinte nun lauthals nach Strom. Nunja, wir waren jedenfalls schon mal beide mehr oder weniger wach und dämmerten der Frühstückszeit entgegen. Gegen 6 Uhr war es nicht mehr ganz so utopisch, aufzustehen. Nach doppeltem Badezimmerritual auf zum Frühstück im House of Tacos – diesmal war der Chef selbst anwesend und wir wurden tatsächlich nach Zimmernummer und Anzahl der Personen gefragt. Gestern war es bei der Ankündigung geblieben.

Nach dem Frühstück widmeten wir uns kurz dem Fahrplan der Metro Rail – sprich, der U-Bahn – und deren Preisen. Einfaches System, Einzelfahrten, 1- oder 7-Tageskarten, sogar inklusive einer Aufstellung, welche sich ab wie vielen Fahrten pro Zeitraum lohnt. Okee, dann wollen wir mal. Die nächste Metro-Station, Hollywood/Western, befindet sich nur 2 Gehminuten vom Hotel entfernt.

Von dort aus fährt die Red Line, wir nahmen sie heute in Richtung Südosten bis zur großen Union Station mitten in der Downtown.

Vorher noch erwähnenswert: Das Fahrscheinsystem ist abguckenswert. Man erhält am Ticketautomaten für $1 zunächst eine Plastikkarte im EC-Kartenformat, den sogenannten „tap“ (=transit access pass). Diesen tap hält man vor den Kartenleser am Automaten und kann ihn dann mit Einzelfahrten oder den Preisen für verschiedene Zeiträume (Tag, Woche, 30 Tage) aufladen.

Da jede Einzelfahrt, egal ob mit Metro Rail oder Metro Bus, $1,50 kostet, kann man hier quasi für den gesamten ÖPNV in L.A. papierlos Fahrscheine lösen. Bei der Rail verhält es sich dann so, dass am Eingang in jede Station Drehkreuze stehen. Daneben ein tap-Kartenleser, der das Drehkreuz für eine Person freigibt, wenn man eine aufgeladene Karte davorhält. In jedem Metro Bus gibt es einen solchen Leser vorn beim Fahrer. Alternativ zahlt man dort eben direkt seine Fahrt.

Keine Papierkarten mehr, die verknicken oder unleserlich werden, und keine herumfliegenden Fahrscheine, die irgendwann in Taschen verknüllt, in die Gegend geworfen oder auch ordnungsgemäß entsorgt zu überflüssigem Müll werden. Eine großartige Sache, wo man doch den Amis immer nachsagt, dass sie die größten Müllproduzenten sind.

So. Wo war ich? Ach ja. Red Line bis Union Station.
Die Union liegt mitten in Downtown, nahe des El Pueblo de Los Angeles, dem historischen Viertel der mexikanischen Bevölkerung der Stadt. Dorthin begaben wir uns nun und bestaunten unter strahlend blauem Himmel das Monument des Antonio Aguilar, schlenderten durch den mexikanischen Markt und zwei Läden voll bunter Kleider, Sombreros, Heiligenbildchen und farbenfroher Skelettdekorationen zum „Dia de los Muertos“, an dem der Toten gedacht wird.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter nach China Town. Ein bißchen kommt man sich wirklich wie in China vor. Jedes Laden- und Reklameschild, jeder Firmenname und fast jeder Mensch, der einem begegnet, ist chinesisch. Und natürlich die Sonnenbrillen-, Schmuck- und Uhrengeschäfte, die Prada, Gucci und Tag Heuer zu Spottpreisen anbieten. Allein der Verstand und die amerikanische Straßenverkehrsregelung sagen einem, dass es immer noch L.A. ist. Aufregend und durchwanderungswert ist es allemal.

Nach China Town hatten wir uns den Historic Core vorgenommen, wanderten dazu also den Broadway hinunter nach Süden. Ja, Broadway. Entdeckt wurden wir dabei nicht, haben vergessen, zu tanzen und zu singen.
Zwischenzeitlich entdeckte Mama ihre spezielle Affinität zu Ampeln. Ob wir nun eigentlich die Straße überqueren wollten oder nicht, sie blieb einfach mal stehen.

„Die Ampel und ich, eine wissenschaftlich noch weitgehend unerforschte Beziehung.“ Soweit ihr Kommentar dazu.

Vorbei am beeindruckenden Criminal Court House und der City Hall ging es durch den Old Bank District in die Historic Downtown. Hier liefen unsere Digicams heiß: Es ist eine solch irre Ansammlung alter Gebäude, vor allem Filmtheater (natürlich, es ist der Broadway), denen man ansieht, wie prächtig sie einmal waren.

Zwischendurch legten wir eine Rast ein im Grand Central Market, einer riesigen Markthalle mit allerlei Imbissläden und dazu passenden Sitzgelegenheiten, einem großen Obst- und Gemüsemarkt sowie kleineren Ständen, die Gewürze aller Art oder auch kunstvolle Torten und Gebäck anbieten. Da wir dort nur auf ein Getränk einkehrten, konnte ich gleich wieder üben, „Diet Coke“ zu bestellen, weil man hier, so amerikanisch es klingt, mit „Coke light“ einfach nichts anzufangen weiß.

Dem Broadway noch ein Stückchen folgend, machten wir einen Abstecher in den hauptsächlich von Lateinamerikanern bewohnten Jewelry District, der seinem Namen alle Ehre macht. Ein Brautmodengeschäft voll kreischbunter, sahnebaiser-artiger Hochzeitskleider neben dem anderen, dazu Juwelier- und Schmuckläden noch und nöcher, die passende Kapelle gleich nebenan, es war ein Farben- und Glitzerrausch!

Quer durch den Jewelry District liefen wir bis zum South Park. Es gab aber keinen Grund für Mütze, Handschuhe oder Kenny. Als wären hier auf einmal der Stadt die Wolkenkratzer ausgegangen, war die Sicht auf einmal frei. Also, zumindest frei von Läden, Bürogebäuden und sonstiger Infrastruktur. Deshalb machten wir zwei Querstraßen weiter, auf der Olive Street, kehrt, näherten uns so nach Norden dem neuen Financial District, und schließlich bogen wir auf die 7th Street nach Westen ab, aus zwei Gründen: Den zweiten verrate ich später, der erste war nämlich maßgeblich: Hunger!
Aus dem zweiten Grund suchten wir zeitgleich nach dem Wilshire Boulevard.

Fündig wurden wir zunächst bei Casey’s Irish Grill, der uns mit Spinach Salad, Stew, Apple Cider und Honey Blonde zurück zu den Satten holte.

Während des Essens reifte der Plan, das Wilshire Boulevard bis zum „La Brea Tar Pits Museum“ hinaufzulaufen.

Kurz gesagt, das Essen war super, und wir hatten uns einen Fußmarsch von 58 Blocks vorgenommen. Letzten Endes haben wir uns damit auch übernommen, denn unser Weg bis dahin hatte schon locker seine 8 Kilometer auf dem Zähler, der Weg bis zum Museum entpuppte sich als spannend, jedoch innerhalb der vorgegebenen Zeit (bis 5 Uhr nachmittags) nicht zu schaffen.

Sonnenverbrannt, kaputt, staubig, aber zufrieden gaben wir also etwa 9 Blocks vor dem Ziel auf, fuhren mit dem Bus und der Metro zurück zum Hotel – merken: Entspanntester Feierabendverkehr ever! – und gedenken, den Tag nun gemütlichst ausklingen zu lassen. Lang genug war er. 🙂

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From → Reisetagebuch

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