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BUMM

30/03/2013

„Ich bin im Krankenhaus, btw“

Ich denke an einen Knochenbruch, eine Lungen- oder Blinddarmentzündung, vielleicht eine Sportverletzung.

„Waaas? Was ist da los?“

Ich hab Dich furchtbar gern, und dass Dir was passiert sein soll, macht mir Sorgen. Aufmerksam schaue ich auf WhatsApp.

schreibt…

„Das Wasser, in dem mein Gehirn schwimmt, kann nicht richtig abfließen. Deshalb hatte ich auch immer Kopfschmerzen. Nun haben sie mir eine Drainage gelegt.“

Ich starre mit aufgerissenen Augen aufs Telefon.

schreibt…

„Am Mittwoch entfernen sie da so einen Propfen.“

„Kann ich Dich besuchen?“

„Wenn du magst?“

„Klar! Wann? Morgen?“

„Gern! Ich freu mich!“

Angekommen. Ich hasse Krankenhäuser. Wo muss ich hin? „Entschuldigung, ich suche…“
„Fahrstuhl, Etage…“ – „Danke!“
Überall verschlossene Türen. ‚Besuchszeiten 14-20 Uhr‘
Es ist doch erst 10? „Gehen Sie ruhig rein, ihm tut das gut!“

Eine alte Dame, die schläft. Daneben eine Trennwand. Gegenüber noch eine ältere Patientin, die mich lächelnd begrüßt. Hinter der Trennwand noch ein Bett. Du strahlst. Hast ein riesiges Mullpflaster auf der Stirn, aus dem ein winziger Schlauch herausführt. Ach ja, die Drainage. Ein Blutdruck-Gurt am linken, ein zweiter Schlauch am rechten Arm. Ein Clip am Finger, noch ein Kabel. Monitore neben Dir zeigen Herzfrequenz, Blutsauerstoff, Atemfrequenz. Dein Ruhepuls ist bei 88 Schlägen.

„Hi!“
„Hallo Schatz!“

Geplänkel. Du gibst Dich ruhig. Ich mich auch. Wir kennen uns seit Jahren, aber jetzt machen wir uns gegenseitig etwas vor.

Dann zeigst Du mir einen Zettel, ein Querschnitt des Gehirns.

„Guck. Und da sitzt der Tumor.“

Ich schlucke schwer. BUMM. Du hast es gesagt.

„Ich werde Dienstag völlig auf sein.“

Ich geb Dir einen Kuss auf die Wange. Was kann ich sagen? Wie soll man Trost geben, wenn es um Leben und Tod geht? Du siehst so anders aus. So viel weniger, dabei isst Du gut und bekommst keine Chemo. Aber Du gehörst in eine Jeanskutte voller Aufnäher, in einen Hoodie mit „Iced Earth“-Aufdruck. Auf Deinen Kopf gehört eine Mütze.
So kenne ich Dich. Und so hätte ich Dich gern bald zurück.

Wir reden über das Wetter. Dir kann es ja gerade egal sein, sagst Du, Du musst es ja nur sehen. Ich erzähle ein paar belanglose Geschichten.

„Ich komme morgen wieder. Lass Dich nicht ärgern!“

„Nö!“ Du lächelst immer noch.

Als ich das Krankenhaus verlassen habe, sitze ich noch eine Weile da.

Ich hab Dich furchtbar lieb. Und hab Angst um Dich. Würde meinen rechten Arm, quatsch, beide hergeben, wenn das irgendwas brächte. Komm da heil wieder raus, Hase!

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From → Ganz viel Liebe!

6 Kommentare
  1. Scheiße, wenn’s einen Trifft…Viel Glück und gute Besserung!

  2. Du kannst schreiben. Und fühlen.
    Schreiben wir zusammen?
    Das würde voll gut. Fühle ich.

  3. Guter Text. Löst viele Emotionen aus.
    Muss beschissen sein.

  4. Tja, die Gedanken gehen in solchen Situationen auf Reisen – wir finden sie manchmal belanglos – aber sie sind emotional und tiefgründig wegen der Hilflosigkeit…

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