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Schmunzelmonster

20/03/2012

Hallo meine Lieben,

in meiner Welt sind Kinder etwas Wunderbares.

Meins hört derzeit, mal mehr, mal weniger, auf liebevollstes „Stinki“, „Rübe“ und „Muckel“. Man nenne mich also nicht herzlos.

Ungefähr 80 Mal am Tag bleibe ich verzweifelt ernst, einfach aus erzieherischer Notwendigkeit. Eigentlich möchte ich das nicht. Stattdessen könnte ich ihm schallend lachend die Gangsterfaust hinhalten.

Zum Beispiel, wenn er beschließt, mal kurz den (das?) Laptop komplett umzukonfigurieren. Wer nicht lesen kann ist an der Stelle klar im Vorteil.

Oder wenn er atemberaubend schnell davon berichtet, wie umfangreich doch seine letzte Einlage in der Porzellanabteilung war. Natürlich muss er lernen, dass man darüber nicht spricht, schon gar nicht, wenn der andere grade noch beim Mittagessen ist. Dennoch ist diese Showeinlage so zauberhaft Kind, so völlig ohne Absicht und mit so ehrlichem Stolz und Begeisterung vorgetragen, dass man sich dem kaum entziehen kann.

Mich fasziniert wirklich und ernsthaft, wieviel Wahrheit beispielsweise bei Reinhard Mey in „ich frag mich seit ner Weile schon“ steckt. Er fragt sich da „wer gibt hier wem im Leben Unterricht?“ und „glaubte zwar bisher, dass <er> derjenige welcher wär“, um dann doch festzustellen: „ich bin es nicht“.

Vieles hielt ich für Kitsch, bei manchem hält diese Einstellung weiter durch, denn ich möchte eine saubere Trennung zwischen Respekt vor meinem Kind und antiautoritärer Erziehung, von der ich nichts halte, weil er dadurch nicht lernt, seine Mitmenschen zu respektieren und zu achten.

Doch Respekt vor seinem Wesen habe ich eine Menge. Auch wenn er längst nicht der blauäugige, völlig unvoreingenommene Bilderbuchfratz ist. Dazu ist er zu clever, er setzt seine Mittel sehr sorgfältig ein, um zu sehen, was er erreichen kann. Was übrigens die meisten Kinder tun – durch Abgucken und die „Was-passiert-dann“-Maschine lernen, mit ihrem Umfeld zu interagieren, um einen bestimmten Zweck zu erreichen.

Was Kinder jedoch von vielen Erwachsenen unterscheidet: Sie handeln nicht aus niederen Motiven. Die dichten wir vielleicht hinein. Bisher habe ich nie erlebt, dass mein Sohn bewusst rachsüchtig oder nachtragend, hinterhältig oder niederträchtig ist. Zwar bin ich sicher, dass er lernen wird, was diese Worte bedeuten. Doch noch ist er ehrlich betroffen, wenn er jemanden traurig macht. Weint mit, wenn ein anderes Kind fällt und sich stößt, auch wenn es ihm grade das Spielzeug gemopst hat. Hoffentlich nimmt er von diesem Mitgefühl und der Empathie etwas mit in sein Erwachsensein.

Wahr ist die Begeisterung, mit der er sich im Moment jeden Tag über den Frühling freut. Jeder neu aufgeblühte Krokus, jede Narzisse, die endlich „aufgeknackt“ (-geblüht) ist, wird fast schon betanzt. All die tausend Fragen nach dem Wie und dem Warum werden Tag für Tag plausibler. Zwischendurch äußert er seinen Unmut darüber, dass es jeden Abend dunkel wird – darauf zu antworten ist erstaunlich schwer! – oder wundert sich, dass beim Nachbarn viel mehr Schneeglöckchen blühen. Da stellt sich die Frage: Wie tröstet man über scheinbar harmlose, selbstverständliche Tatsachen hinweg?

Wie erklärt man eigentlich, warum es dunkel wird, warum die Sonne untergeht? Dass es so ist, und wie genau das vonstatten geht, mag längst erklärt und akzeptiert sein. Aber warum denn, Mama?

Wie funktioniert eine Kaffeepadmaschine?

Warum darf der Hund keine Kinderschokolade essen, warum bekommt er davon denn Bauchweh?

Warum muss das Essen immer so sehr heiß sein?

Warum müssen kleine Kinder nachmittags schlafen?

Wieso ist das Geld irgendwann alle?

Weshalb darf man nicht den ganzen Tag fernsehen?

Wieso haben Mädchen bunte Haarspangen, Jungen aber nicht?

Wie das alles erklären, ohne sich in komplizierte biologische, physikalische, wirtschaftliche Zusammenhänge zu versteigen? Das ist dann die Aufgabe – jeden Tag.

Und ich möchte gerne so positiv wie möglich darauf antworten, denn Pessimisten hat diese Welt schon genug.

Kinder sind etwas Wunderbares!

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2 Kommentare
  1. Carsten permalink

    Das ist so ein schöner Text! Voller Liebe und Stolz! Schöööön!

    Lach doch einfach (wenigstens manchmal), wenn dir danach zumute ist, wenn dein Kind etwas Lustiges (wenn auch nicht gesellschaftlich Anerkanntes) macht. Vergiss das „Erzieherische“. Du erziehst dein Kind als Vorbild und als toller Mensch, nicht durch Ge- oder Verbote. Grenzen? Wichtig! Aber nur deine eigenen. Weniger die, die deinem Kind aus „erzieherischen“ Gründen gesetzt werden. Dann bist du authentisch. Und gut. Und das wird dein Sohn gut finden und es wird ihm gut tun.

    Grüße
    Carsten (Papa von drei großartigen Kindern)
    (@eschmentc)

  2. muellermanfred permalink

    Mein liebstes Kindergespräch begann mit der Frage eines Dreijährigen: „Papa, wann geht die Sonne kaputt?“ Und dann saßen wir zwei Stunden am Mittagstisch und sein Gesicht wechselte von Staunen zu Unglauben zu Freude zu Skepsis zu Forschergeist zu Begeisterung. Und der Mittagsschlaf fiel aus.

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