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Es hinkt. Alles.

Wieder ist etwas Furchtbares passiert, wieder sind Menschen gestorben.

Wieder wird geschrien, dass „die“ die Terroristen herbringen. Hierher. Nach Berlin. Nach Paris. Überall hin, wo etwas schreckliches passiert.

Wieder sage ich: Nein.

Was die Terroristen des IS wollen, ist, Menschen umzubringen, die anders glauben. Menschen umzubringen, die die gleiche Nationalität haben wie die, deren Truppen sie daran hindern, in Syrien und Teilen des Irak ihren Gottesstaat aufzubauen. Sie fänden einen anderen Weg, wenn die Flüchtlinge nicht wären. Sie fänden immer einen Weg.

Würden „wir“, der Westen, den IS machen lassen wie er will, wäre der Flüchtlingsstrom noch viel größer. Denn sie könnten ihre Gewaltherrschaft uneingeschränkt weiterführen und trieben damit noch viel mehr Menschen auf die Flucht. Würden wir unsere „Grenzen dichtmachen“, wie es vielerorts verlangt wird, hielte das niemanden von irgendwas ab. Wir würden eine humanitäre Katastrophe provozieren, die für uns zu viel mehr Entbehrung führen würde.

Wir sind auf dem richtigen Weg, so hart er auch sein mag.

Und wir werden weder islamisiert noch daran zerbrechen, wir sind ein Land voller Möglichkeiten und Alternativen (außer der für Deutschland, die sind keine), wir rocken das.

Wir haben Meinungs- und Pressefreiheit, wir haben ein funktionierendes Sozialsystem und die Chance, die Ärmsten der Armen sozial abzuholen. Machen wir es doch einfach.

Depression 

Depression wird immer noch gern auf die Bank der Phasen und Launen abgeschoben. 

Depression ist eine Krankheit.

Depression macht, dass dir die kleinste Aufgabe vorkommt wie Eulen nach Athen tragen. Von Lübeck aus. Zu Fuß.

Depression macht, dass der innere Akku dauernd auf 10% ist und du eigentlich gerade Dropbox synchronisieren sollst.

Depression zeigt dir die Grenzen deiner Leistungsfähigkeit auf mit der Behutsamkeit eines Presslufthammers. 

Ja, es ist etwas Innerliches. Etwas persönliches. 

Nein, man hat es nicht selbst in der Hand. Man kann nicht STOP rufen und ist plötzlich nicht mehr depressiv, weil man sich dagegen entschieden hat.

Man beschließt nicht, motiviert und präsent zu sein und ist es dann einfach.

Man beschließt es und steht einem massiven Vorhang aus motivierten, glücklichen Menschen gegenüber. Menschen, die auch eine Meinung haben, es aber individuell vertreten können, das zu wählen.

Depression macht hilflos und unmotiviert, haltet bitte dagegen. Auch gegen kritische Stimmen.

Seid da, wenn ihr könnt. Niemand ist auf unsere Unversehrtheit angewiesen, aber viele auf Eure.

Bingo, Sudoku und Twitter 

Die Sache mit dem Handy

Ich werde oft, meist scherzhaft, darauf angesprochen, wieviel Zeit ich damit verbringe, in mein Telefon zu starren.

Natürlich erst recht seit meinem Unfall neulich, der darauf zurückzuführen war, dass ich aufs Display statt nach vorn gesehen habe.

Es stimmt, das tue ich. Aus mancher Sicht bestimmt zu viel und zu oft. Aber ich möchte anhand einiger Beispiele erzählen, wieso ich das tue.

Bingo

Beispielsweise spiele ich Bingo. Den Namen umweht zunächst ein Hauch von Lockenwicklern, Pomade und Zitronentee. Also erkläre ich, wie ich es spiele. 

Ich wähle stets vier Bingo-Karten gleichzeitig. Das Spiel beginnt. Und in meinem Kopf beginnen zwei Zählrhythmen. Einer behält im Hinterkopf, dass pro Runde 29 Zahlen aufgerufen werden, und er zählt in jeder Runde mit, wie viele Treffer ich erziele. 

Der zweite berücksichtigt, wie viele Zahlen schon aufgerufen wurden, rechnet dagegen, wie viele Treffer ich gelandet habe, und berechnet daraus laufend eine meistens einstellige Zahl.

Auf diese Weise beschäftige ich meinen Kopf auf mehreren Ebenen gleichzeitig mit ein und derselben Sache. Es mag vielleicht anstrengend klingen, aber mich entspannt es. Ich kann mich in diesem Moment fokussieren und es werden nicht noch auf dem B-Kanal Einkaufslisten, Erziehungstheoreme und Finanzen überschlagen. 

Sudoku 

Hier verhält es sich ähnlich. Ein Sudoku, gerade ein komplexeres, zu lösen, erfordert, dass man für mehrere Zifferngruppen gleichzeitig denkt. 

Fehlen in einem Unterquadrat noch vier Ziffern und ich kann eine eintragen, welche Auswirkung hat dieser Eintrag auf die möglichen Positionen der anderen? Wirkt sich dieser Eintrag innerhalb seiner Spalte und Zeile darauf aus, wo die anderen dort fehlenden hingehören? 

Diese Rückfrageprozesse laufen in meinem Kopf meistens parallel ab und tragen dadurch dazu bei, dass ich keine weiteren komplexen Themen zeitgleich herumwälze. Das bedeutet innerliche Entspannung für den Moment.

Twitter 

Twitter ist wohl die am häufigsten genutzte App auf meinem Telefon seit Jahren. Und es hat auch eine derartige Wirkung, weil die Komplexität des menschlichen Charakters kaum Grenzen hat. 

Ich folge vielen Menschen, unglaublich verschiedenen Charakteren, und kenne sicherlich nicht jeden so gut, wie er es verdient hat. 

Doch ich scrolle durch meine Timeline, sammle Eindrücke, und mit jedem Eindruck wird auch eine Information transportiert und gespeichert. Mit jeder gespeicherten Information wird ein kleiner Denkprozess angestoßen, der abruft, was ich von diesem Menschen weiß, wann wir uns (falls überhaupt schon mal) das letzte Mal gesehen haben, wie gut ich seine/ihre Situation kenne, wie ich den jeweiligen Tweet im Rahmen dessen bewerte, ob und wie ich darauf reagieren will und en Detail, was das bewirken soll oder wird. 

In Anbetracht von aktuell 517 Followings ein Feuerwerk an Synapseninteraktion, das auf manch einen wie körperlich spürbarer Stress wirken muss, für mich aber eine Möglichkeit ist, kurz auszuspannen. Einen Augenblick lang ausgeglichen zu sein, weil all meine Energie auf etwas konzentriert ist und nicht sich selbst weiter hochpusht.
Ich stehe, besonders geistig, für Gewöhnlich den ganzen Tag unter Hochspannung. Diese Momente sind für mich so etwas wie 3 Minuten Urlaub.

Deshalb mache ich das manchmal bewusst. Deshalb ist mir das so wichtig. Weil es mir hilft, für kurz die Notbremse zu ziehen.

Deshalb bin ich manchmal geradezu angewiesen darauf, mich in eins dieser Dinge oder etwas ähnliches zu verkriechen.

So. Das wollte ich unbedingt mal erzählt haben.

Kinderkram

Mich beschäftigte heute folgende Frage:

Warum ist es okayer, alleinerziehend zu sein, als ein Kind in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft oder Ehe aufzuziehen?

Ich habe zwei Söhne und bin alleinerziehend. Keiner der zwei Väter (ja, zwei, buhu, Schlampe, diesdas) zeigt Interesse an seinem Kind, keines meiner Kinder hat regelmäßigen Kontakt zu einem Mann. Dennoch suchen und finden sie sich ihre Vorbilder. Dennoch entwickeln sie sich ganz normal. Dennoch geht meinem Großen nicht der oftmals typische Hang zu allen Themen von Jungs in seinem Alter ab, Beyblade, Star Wars, Ninjago.

Was wäre der Unterschied, würde ihn ein Paar von zwei Frauen großziehen, statt einer allein? Es gäbe überhaupt keinen. 

Ich kenne einen jungen Mann, der so gut wie allein eine Tochter aufzieht. Wird sie deshalb zum Mannsweib heranwachsen? Weiß er dauernd nicht, was zu tun ist? Alles Quatsch. Er kennt seine Tochter, weiß, wie sie tickt und auf ihre Bedürfnisse einzugehen.

Was wäre der Unterschied, würden sie zwei Männer großziehen? Keiner. Beide würden sie lieben und umsorgen, weil sie ihr Kind wäre.

Doch dann denke ich daran, wo sich die Vorurteile gegen gleichgeschlechtliche Paare wie gegen Alleinerziehende überschneiden.

„Es fehlt ein Vorbild.“

Glaubt mir, Kinder nehme sich nicht zum Vorbild, wer ihnen vorgesetzt wird, sie suchen sich ihr Vorbild selbst.

„Es fehlt die ’starke Hand‘.“

Ich hoffe, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass die Sexualität keine Rolle spielt bei der charakteristischen Aufteilung einer Beziehung. Ich habe das in allzu vielen normativen Mann-Frau-Beziehungen schon zu unterschiedlich erlebt, aber existieren tut diese Verteilung immer.

„Ein falsches Weltbild wird vorgelebt.“

Bitch, please. Wer sein Weltbild für das einzig richtige hält, werfe den ersten Stein. Mein Wunschweltbild ist, dass jeder Mensch so akzeptiert wird, wie er nun mal einfach ist. Und mein Weltbild ist, dass etwa 50% aller Menschen gefälligst auf ihre Erwartungshaltung pochen, wie alle Menschen um sie herum zu sein haben.

Gleichgeschlechtliche Liebe ist genauso wenig wider die Natur wie Väter oder Mütter, die ihr Kind nicht abgöttisch lieben. Beides gehört zu uns als denkende und fühlende Menschen. 

Und ein homosexuelles Paar, das ein Kind hat, ist ein Elternpaar mit genau den gleichen Herausforderungen und Pflichten. Und verdient den gleichen Respekt wie ein heterosexuelles Elternpaar oder ein alleinerziehender Elternteil. 

Prioritäten.

Bei uns zuhause sieht es meistens aus wie bei Hempels unterm Sofa. Ich habe mir das ewig zum Vorwurf gemacht. Aber wisst ihr was? Nö.

Ich räume nun mal allein stetig zwei sehr mobilen Kindern hinterher. Sorge dafür, dass sie täglich warm und gesund essen und sauber angezogen sind. Dass sie ihre Rituale einhalten, sicheren Raum zum Spielen, es immer warm und kuschelig haben. Sie wissen, dass sie geliebt werden und sich immer auf mich verlassen können. Sie sind gesund, fröhlich und neugierig.

Und sie schleppen nun mal Spielzeug, Kleidung, Krims und Krams fortwährend durch die Gegend und lassen es stehen und liegen. Sie laufen in Straßenschuhen oder Kekse essend durch die Wohnung. Sie packen kleinteilhaltige Spiele aus und vergessen beim Einräumen ein bis zwölf Kleinteile. Sie kippen Gläser oder Müslischalen um oder aus und nehmen es mit dem Aufwischen nicht so genau.

Kinder sind eben so.

Ich räume und wische und sauge gegenan, wann immer ich Zeit dazu habe, und denke mir, dass es hundertmal schlimmer wäre, lägen meine Prioritäten umgekehrt. 

Sugarstorm? Sugarstorm!

Ich kenne da zwei feine Menschen. Naja, kennen mag der eine oder andere übertrieben finden. Wir folgen und „herzen“ uns schon eine ganze Weile bei Twitter, besternten uns sogar, als es das noch gab, DMen und retweeten uns manchmal.

Diese beiden sind weder perfekt noch Elite, doch sind sie mir wichtig und für mich besonders. 

Und sie sind gerade in einer prekären Lage. Warum, das liest man hier

Ja, von @BauN3RD und @Staubprinzessin schreibe ich hier. 

Sicherlich kann man, wie er schon schrieb, alle möglichen Selber-Schulds dem entgegen halten, aber ich befinde, dass ein so offener, selbstkritischer und nackigmachender Post es verdient, Hilfe zu erwirken. 

Diese zwei hegen soviel Hoffnung in- und füreinander. Sie scheinen sich, und ich kann das nur von recht weit außen beurteilen, gegenseitig zu ergänzen und zu stützen. Sie sind welche von diesen besonderen Menschen. Und ich möchte diese beiden nicht kaputt gehen sehen.

Ich kenne mich nicht aus mit den sozialen Strukturen in Köln, kann aus eigener Erfahrung leider so gar nichts beitragen. Aber ich kann vielleicht vermitteln, dass auch mir am Herzen liegt, dass ein Ausweg gefunden wird. Sie sind bereit, anzupacken. 

Seid so gut, macht euch Gedanken. Oder schreit „hier!“, wenn ihr eine Idee habt. 

Das zumindest weiß ich aus eigener Erfahrung: Ein Wegweiser kann ein Leuchtfeuer sein. 

Ich schließe mit Worten von der Prinzessin:

https://twitter.com/staubprinzessin/status/775450587022364672

Klassenkampf

Der Titel klingt so schön allgemein.

Tatsächlich geht es darum:

Mein Junior wird nach den Sommerferien wieder in seine alte Schule gehen. Und würde in seiner bisherigen Klasse wieder auf ein Kind treffen, dem es ähnlich ergeht wie ihm, nur dass dessen Eltern nicht versuchen, etwas daran zu ändern. Dieses Kind wird in der Schule abgeladen und dort soll man sich gefälligst um ihn kümmern. Ein hinreißender, aufgeweckter Junge, der aber etwas mehr Anleitung bräuchte, als er bekommt.

Ich habe also heute mit der Rektorin der Schule gesprochen. Eine verständige Frau, die die Kinder sehr genau wahrnimmt. 

Eine Stunde später wurde mir bestätigt, dass er nach den Sommerferien in eine andere Klasse gehen wird. Damit er das, was er gelernt und sich mitgebracht hat, nicht wieder verliert. 

Ich bedaure, seine bisherige Klassenlehrerin zu verlieren. Aber ich freue mich, dass er so bessere Chancen auf alles hat.