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Welt, kopfstehend

Habe ich nicht noch vor ein paar Monaten behauptet, dass so vieles dafür spricht, allein zu bleiben? So vieles sagte mir, wie gut ich daran tue, mit mir selbst zufrieden zu sein. Niemanden an mich heran zu lassen, damit niemand feststellt, wie achterbahnig mein Leben ist, wie herausfordernd ein Weg an meiner Seite wäre, wie viele Gründe es gäbe, diesen Weg nicht zu wählen.

Aber ich habe mich scheinbar getäuscht, denn da ist jemand. Jemand ist einfach in meinem Leben erschienen, hat es total umgekrempelt, ohne es wirklich zu berühren, und hat mich überzeugt, dass es wohl mehr Möglichkeiten gibt als diese.

Ich weiß immer noch nicht, wie ich diese Information verarbeiten soll, aber ich bin glücklich. Glücklich über jeden Moment in seiner Gegenwart, denn er entspannt mich, entschleunigt mich, gibt mir nie gekannte Sicherheit. Glücklich über das Wissen, dass er da ist, auch, wenn er nicht da ist. Darüber, wie er ist. Hinnimmt, dass alles komplizierter ist, wenn man meine Vorgeschichte mitbringt. Wie er mich atmen lässt. Wie er mich auffängt und gleichzeitig frei lässt. Der da ist, klug und still und umfassend, mich sieht, wie ich bin, und dennoch bleibt.

Vielleicht hab ich plötzlich diese Liebe gefunden, die ich für mich selbst immer verleugnet habe, weil unmöglich.

Vielleicht möchte ich nie wieder eine andere mögliche Zukunft gelten lassen.

Wenn Du wegen Facebook drüber stolperst, mein Herz: Ja, mein ich alles ernst. Du bist einzigartig in meinem Kosmos und ich liebe Dich wahnsinnig.

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Jetzt wird es persönlich.

Das hier geht an meine Freunde. Freunde wie Annika und Torsten. Fabian. Björn. Nils und Melli. Anika. Heiko und Nadine. Marc und Tina. Flemming. Andreas. Detlef. Oliver. Ines. (Das mögen für viele von euch nur irgendwelche Vornamen sein. Für mich ist jeder davon ein ganzer Kosmos.)

Freunde, die ich seit 15 oder mehr Jahren kenne und in den letzten 5 Jahren vielleicht dreimal gesehen habe. Ihr wisst, wer ihr seid.

Ich habe viel mit euch geteilt. Es gibt viele Erinnerungen, die uns nie trennen werden.

Es tut mir leid darum, dass wir so wenig Zeit miteinander hatten in letzter Zeit. Und haben werden. Mein aktueller Alltag gibt es nicht her, dass ich einfach mal abends Zeit habe oder am Wochenende weggehe.

Aber ich vermisse euch. Und ich zähle die Tage, bis ich nicht mehr nur Fotos und Facebook-Posts like. Ich hoffe, ihr ertragt meine Abwesenheit noch so lange, bis ich wieder als anwesend gelten kann. ❤

ADHS in klein

Mein Junior bekommt ja seit einer Weile ein Medikament, Elvanse, 40mg/Tag.

Eine Weile – etwa 1,5 Jahre.

Seit gestern nimmt er noch 30mg.

Wir, er und ich, haben das zusammen beschlossen.

Es war meine Idee, auf die ich stolz bin. Denn Elvanse hilft in vielem. Doch es hemmt den Appetit enorm.

Mein Großer wiegt aktuell bei einer Größe von 1,34m nur etwa 27kg.

Ich musste also etwas tun. Was ich tat, war einen Vorschlag zu machen. Ihm nämlich 10mg weniger Medikament am Tag zu geben. Was sein Therapeut erfreut billigte. Das heißt nicht nur weniger Wirkstoff. Das heißt für ihn auch, den ganzen Tag essen zu können. Das heißt, dass sein Körper nicht den ganzen Tag unbemerkt hungert und Stresshormone ausschüttet. Das heißt, dass er vieles einfacher sieht und nimmt. Dass er weniger von sich selbst angestachelt wird und weniger gereizt und aggressiv ist.

Es scheint sich zu bewähren, denn es tut ihm unheimlich gut.

Und ich habe die Hoffnung, dass ihm das grandios hilft. Ich möchte ihn gern wieder sehr viel lachen sehen.

❤️

Lemmy 2.0

Ich dachte früher, ich würde niemals einen Hund haben.

Erst, weil ich ein Kind war und „niemals“ sich auf die nächsten 6 Monate beschränkte.

Dann, weil meine Geschwister allergisch auf Hundhaare waren.

Dann, weil ich Katzen mochte und sie so praktisch fand.

Dann, weil ich mir im Leben nicht zutraute, einen Hund vernünftig zu erziehen.

Nunja.

Mein Hund ist fast 10 Monate alt. Er wohnt bei mir, seit er 10 Wochen alt ist. Er ist stubenrein. Im Moment üben wir gerade, dass Anspringen und Ausbellen nicht die feine englische Art ist. Er ist ängstlich, sucht aber Schutz bei mir. Er ist nicht zu dick, er beißt nicht, er ist gesund, geimpft, gechipt und entwurmt.

Soo viel scheine ich gar nicht falsch zu machen. Ich kann ihn sogar aus der Balgerei mit seiner Schwester abrufen.

Und er schenkt mir ein unbezahlbares Stück Lebensqualität. Auf unzählige Arten. Und ich ihm hoffentlich ein gutes Zuhause.

Die ganze Wahrheit

Dieser Post ist der möglicherweise persönlichste, den ich je veröffentlichen werde. Ich möchte ausnahmsweise eine Triggerwarnung aussprechen, denn Suizidgedanken, sexuelle und psychische Gewalt und Gewalt im Allgemeinen spielen darin eine Rolle. Und ich gebe viele Fehler zu. Doch er geht gut aus.

A. ist mir passiert. Anders kann man es nicht formulieren. Er ist, als ich 20 war, durch einen One Night Stand in mein Leben hineinpassiert. Ich kannte ihn vorher nur vom Sehen, er war der Bruder der Freundin von D., den ich wiederum schon sehr lange kannte.

Er war elf Jahre älter als ich, charmant und zuvorkommend, hörte mir zu und wirkte so klug und verständnisvoll. Was ich nicht bemerkte, wie schnell ich mich darin sonnte, von diesem tollen Mann Aufmerksamkeit zu bekommen. Und wie schnell ich davon abhängig wurde. Es dauerte keine zwei Wochen, da tappte ich in die allererste Falle. Ich hatte auf einer Feier, zu der wir gemeinsam gingen, einen alten Freund herzlich begrüßt und war mit ihm kurz um die Ecke verschwunden, weil wir noch ein Hühnchen zu rupfen hatten. Was in besitzergreifendem „Wir wollen langsam gehen“ kurz danach begann endete damit, dass ich in meiner eigenen Wohnung angeschrien wurde, was ich denn für eine Schlampe sei und sowas ließe er sich nicht bieten, er könnte jederzeit gehen, sowas habe SEINE Freundin gefälligst nicht zu tun. Er war völlig ausgerastet. Und ich völlig perplex. Ich hatte doch nichts schlimmes getan. Ich wollte mich so unbedingt erklären. Letztlich flehte ich ihn an, denn mir machte das alles eine Heidenangst, ich wollte doch nur wieder Frieden haben.

Doch das war der Auslöser für alles, was danach kam. Er hockte mir eifersüchtig auf der Pelle, ließ mich nichts mehr allein machen, außer arbeiten zu gehen. Er selbst fuhr nur manchmal schwarz LKW, nachts, und machte sich manchmal gefühlt geradezu einen Spaß daraus, mir irgendwas zu unterstellen und mich dann von weitem damit zu quälen. Eines Nachts forderte er mich auf, wenn ich es ehrlich meine, würde ich so lange wach bleiben, bis er schlafen ginge, zum Beweis sollte ich ihm alle 5 Minuten eine SMS schicken. Ich selbst sollte morgens um sieben aufstehen, doch das war ihm egal, und das sagte er auch so.

Während ich das hier schreibe, denke ich, ich muss verrückt gewesen sein. Doch ich erinnere mich an jedes einzelne Gefühl, und für mich war das schon lange real, dieses „Wenn er mich verlässt, bin ich komplett alleine auf der Welt.“ Das ist es, was Gaslighting macht.

Wir zogen zusammen. Ab da begann seine ultimative Herrschaft auch in unser Sexleben Einzug zu halten. Ich hatte Lust zu haben, wann er wollte, wenn nicht, nahm er sich mit Gewalt, was er wollte. Ich habe vieles über mich ergehen lassen, das nicht meinen Fetischen entspricht, einfach nur, weil er das so wollte. Da wir in eine andere Stadt, seine Stadt, gezogen waren, war ich von meiner Familie und meinen Freunden abgeschnitten, wir sahen niemanden außer seinen Freunden und ich war nie mit jemandem allein, dem ich mich hätte anvertrauen können. Kam ich von der Arbeit nach Hause, wusste ich nie, in welchem Zustand ich ihn vorfinden würde. Ob er uns Essen gekocht hatte, betrunken vor dem Fernseher saß oder mir schon an der Wohnungstür zornig entgegen starrte, weil ich in seinen Augen mal wieder etwas falsch gemacht hatte. Er fing wegen nichts Streit an, bezichtigte mich absurdester Dinge, beispielsweise durchsuchte er mein Handy, fand SMS von ihm unbekannten Nummern und warf mir erneut Untreue vor. Jede dieser SMS war aber von ihm, geschrieben mit je einem der Handys aus den LKW, die er fuhr. Ich verfolgte minutiös zurück, welche Nummer zu welchem Fahrzeug gehörte, er hörte mir nicht mal zu, sondern schubste und brüllte mich durch die ganze Wohnung. Packte mich an der Gurgel und brüllte mir direkt ins Ohr, ich solle die Schnauze halten, er wisse genau, was hier gespielt wird.

Ein anderes mal habe ich mich auf dem Dach versteckt, wir wohnten 2. OG. Ich hätte beinahe die Polizei gerufen. Hätte ich nur. Doch ich lebte in der Fantasiewelt, die er geschaffen hatte und in der er mächtiger war als alle anderen, selbst die Polizei. Einmal bin ich zum Nachbarn geflüchtet, der ein Freund von ihm war. Ich klingelte abends um elf Sturm und sagte „Lass mich rein, lass mich bitte rein, er schlägt mich sonst tot.“ Das tat er. Ließ A. sich austoben und beruhigen. Später ging ich natürlich zurück dorthin. Ließ mich einlullen davon, was er im Auslandseinsatz schlimmes erlebt hatte. Tröstete ihn. Es ist alles so absurd.

Nachdem er mich ein weiteres Mal verprügelt hatte, diesmal, weil ich ihm verbal überlegen war, hatte ich genug. Er hat dazu die Tür unseres Arbeitszimmers hinter sich abgeschlossen, demonstrativ den Schlüssel in die Jeanstasche gesteckt, und kündigte an „Jetzt zeig ich dir, wer hier der Chef ist!“ – ich habe ihn nach mehreren Faustschlägen ins Gesicht zwischen die Beine getreten. Anschließend benahm er sich, als hätten wir eine Kneipenschlägerei unter Kumpels gehabt, und faselte etwas von „Wir haben uns aber auch nichts geschenkt.“ Ich wusste, dass ich so nicht leben wollte. Dass ich das nicht mehr wollte. Ich habe über Selbstmord nachgedacht, ich wollte einfach frei von dem allen sein. Doch ich wusste auch, dass ich einmal gern gelebt habe. Die Chance darauf würde ich damit verschenken. Und dann erfuhr ich, dass ich schwanger war.

Oh Gott. Schwanger. Von ihm. Doch noch viel wichtiger: Schwanger. Es ging nicht mehr nur um mich. Es war jetzt noch ein winziger Mensch von meiner Unversehrtheit abhängig.

Ich ließ einen Streit in der Öffentlichkeit eskalieren, Er würde mir nämlich nichts tun, wenn andere dabei sind. Also versuchte er es auf der Beziehungsebene „Wenn du jetzt weitergehst, brauchst du nie wieder zu kommen!“ Ich ging weiter. Ein paar Tage blieb ich irgendwo, ich weiß heute tatsächlich nicht mehr, wo, bei meiner Mutter zuletzt auf jeden Fall. Ich holte nach zwei Wochen mit einem Freund zusammen alles aus der Wohnung, was meins war – viel war es nicht, keine Möbel, nur Habseligkeiten – er war zum Glück nicht da. In dieser Zeit habe ich zu 90% aus Angst bestanden. Ich hatte mich da raus bewegt und wartete auf den großen Knall, mit dem ich alles verlöre. Er versuchte natürlich doch, mich „zurück“ zu bekommen. Wir sprachen miteinander. Verabredeten uns, aber an einem öffentlichen Ort. Es gab wieder Streit. Wir verabredeten uns, zu gemeinsamen Freunden zu fahren, wo wir eingeladen waren.

Auf dem Weg dorthin, er fuhr, fand er eine CD im Radio, die ein Arbeitskollege mir gebrannt hat. Darauf war alles Mögliche, Chartmusik, Mainstream, nur halt kein Metal, den ich normalerweise vorziehe. Er unterstellte mir, bei anderen Leuten also „normale“ Musik zu hören und nur ihm zu erzählen, ich möge seine Musik nicht. Als mir dazu auf Anhieb so gar nichts einfiel, weil diese Vorwürfe so sinnlos und seine Reaktion ein weiteres Mal völlig unverhältnismäßig war, fing er wieder an, völlig ausgeflippt zu schreien und nach mir zu schlagen. Ich schnallte mich ab und flüchtete auf den Rücksitz, während der Fahrt auf der Autobahn. Weil er mich nicht mehr zu fassen bekam, drohte er schließlich, gegen den nächste Pfeiler zu fahren, „Dann sind wir wenigstens beide tot!“ – da zog ich den Schlüssel. Bei 130 auf der zum Glück leeren Autobahn. Ich hatte Angst um mein Leben und das meines Kindes und sah keine andere Möglichkeit. Wir kamen quer auf dem Standstreifen zum Stehen. Hinter uns hielt kurz darauf ein anderes Auto. A. sprang aus dem Wagen, rannte darauf zu und brüllte in meine Richtung, ich sei ja völlig durchgeknallt und solle ihm gefälligst nicht zu nahe kommen.

Es war mir egal. Ich stieg ein und fuhr weg. Ab da war es mir egal, wie lange es dauern würde, aber ich war endgültig von ihm los.

Das ist 10 Jahre her. Unser Sohn ist gesund, klug und aufgeweckt und weiß nicht, wer sein Vater ist. Nur, dass er nicht für ihn da ist.

Ich habe in der Zeit danach die Schulden abgearbeitet, die ich um seinetwillen gemacht habe. War innerlich hauptsächlich damit beschäftigt, mich in dieser neuen Freiheit, die ich hatte, nicht zurecht zu finden. Vergriff mich erneut bei den Männern. Hatte Depressionen, ohne davon zu wissen, ich hielt mich für nicht fleißig genug und sagte mir selbst die Dinge, die das Falscheste sind, was man einem Depressionspatienten von außen sagen kann. „Du musst dich nur mal zusammenreißen.“ und „Das musst nun mal alles du machen, stell dich nicht so an, andere haben’s auch nicht leichter!“. Zwei Jahre später hatte ich einen Nervenzusammenbruch. Ich fand aus der depressiven Episode gar nicht mehr raus und schließlich ließ ich mich stationär in die Psychiatrie einweisen. Es war die richtigste Entscheidung meines Lebens. In diesem vier Wochen wurden meine Depression und meine posttaumatische Belastungsstörung diagnostiziert und vor allem: Mir erklärt.

Danach folgte eine ambulante Verhaltenstherapie. Diese Therapie greift einem mit Schwung in die offenen Wunden und kostet wahnsinnig viel Kraft, gab mir aber Werkzeuge in die Hand, um nach und nach die Schäden zu beheben, die 1,5 Jahre A. verursacht haben. Stand heute, knapp elf Jahre nach dem verhängnisvollen Abend, an dem ich besser einfach zuhause geblieben wäre, geht es mir gut. Meistens. Aber der Weg hierher war enorm.

Erfolgsstory

Hallo,

ich bin eine Erfolgsstory.

Ich bin schwieriges Kind, Mobbingopfer, Scheidungskind, Gewaltopfer, alleinerziehend, alleinstehend.

Ich habe einen Job, der mich glücklich macht, meine Kinder sind gut versorgt, habe eine wunderschöne Wohnung, eine funktionierende Sozialstruktur, einen Hund und ein gutes Leben.

Ich will niemandem sagen „vergleich dich mit mir und fühl dich schlecht“. Niemandem absprechen, wie schwer jede einzelne dieser Vergangenheiten auf einem lasten kann.

Nur jedem, der jetzt leise oder laut dache „Ich auch.“: Gib nicht auf. Gib niemals auf. Es ist wichtig, was du bist, nicht, was irgendwer oder irgendwas anderes aus dir machen will.

Tschüs.

An Kreuzungen

Menschen betreten mein Leben und verlassen es wieder.

Manche nach einem Augenblick, einige nach einer Weile. Andere nach einer langen Zeit und wenige bleiben, bis einer von uns für immer geht.

Alle verlassen es aus dem gleichen Grund: Weil das Leben eben so ist. 

Deshalb habe ich aufgehört, mich zu fragen, was ich falsch gemacht habe, wenn das passiert. Das frage ich mich schließlich auch nicht, wenn jemand stirbt, den ich lieb habe. Warum also, wenn der Lebensweg des einen sich eben von meinem entfernt?

Ein paar Menschen kreuzen meinen Weg auch immer mal wieder. Das mag ich. Wenn man nach fünf, zehn oder fünfzehn Jahren (mehr gab es bei mir noch nicht, Verzeihung) wieder aufeinander trifft und einfach fragt „Na, was hast du so getrieben?“, sich davon erzählen kann und keiner beleidigt ist, weil man sich zuletzt mit 18 bei einem Bier getroffen hat.

Diese Unaufgeregtheit ist sehr erholsam.