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Lemmy

Ich habe schon mit 15 Lemmy als mein Idol auserkoren. Und nie was auf ihn kommen lassen.

Natürlich ist es kein adäquater Lebensstil, sich hauptsächlich von harten Alkoholika zu ernähren und Drogen zu konsumieren.

Abgesehen davon war Ian „Lemmy“ Kilmister aber ein Mann, der gesagt hat, was er dachte, stets unverblümt, und dessen Denke in vielem meinen Idealen entsprach. Bis heute entspricht.

Er hat Extremismus verurteilt. Er hat erklärt, weshalb für ihn Glaube nicht in Frage kommt. Wieso man Stärke zeigen muss im Angesicht der Anschläge in Europa – siehe Bataclan.

Und auch auf persönlicher Ebene hat er nicht verherrlicht oder entschuldigt, wie er lebte, aber immer dazu gestanden. 

Und dieses Standhafte, dieses Klare und Direkte, das habe ich mir schon immer zum Vorbild genommen. So wollte ich und will ich gern sein. Gern ohne täglichen Jack Daniels, ohne täglichen Rausch, ohne Koks oder was auch immer. 

Aber ich nehme mir diese positiven Eigenschaften mit und versuche, sie umzusetzen und weiter zu verbreiten. Denn ich denke, dass das eine gute und wichtige Message ist. 

It was the wolf in me.

And all my soul was fire.

Origami

‪Spuren auf der Seele sind wie ein Knick in dickem Papier. Man kann immer wieder darüber streichen, er bleibt trotzdem zu sehen. ‬

Wie über einen Knick in Papier streicht man auch über Spuren auf der Seele, nur nicht mit dem Finger, sondern mit neuen Erfahrungen. Welchen, die bestenfalls nicht wieder knicken, sondern glätten. Die beibringen, dass nicht alles böse Knicke hinterlässt.

Wenn man Papier oft genug glatt streicht, wird die Stelle, an der der Knick war, irgendwann glatt. Man sieht noch, dass da etwas war, weil sich Staub dort gesammelt hat, weil kleinste Risse immer zu sehen sein werden, aber irgendwann ist es nur noch eine farbliche Abweichung.

Wenn man Erlebtes oft genug anders erfährt, wird die Stelle, an der die Seele zerknickt ist, auch irgendwann glatt, hört auf, zu ziepen, und vernarbt. 

Das macht Therapie und das, was man daraus mitnimmt. Zumindest für mich. Und darüber bin ich sehr froh.

Mein Gaslighting-Ich

Dieses Ich macht nichts richtig und ist an all seinen Problemen selbst schuld. Egal, welche Schwierigkeiten aufkommen, ob beim Großen in der Schule, bei der Suche nach einem Kitaplatz für den Kleinen, ob eine kaputte Heizung oder ein Missverständnis bei der Arbeit. Dieses Ich sucht und findet immer eine Erklärung, warum es allein dafür verantwortlich ist und nicht um Hilfe fragen darf. Mehr noch, warum es sich dafür quälen und strafen muss.

Dieses Ich glaubt, dass es nichts verdient hat, das es glücklich macht. Dass auf eine Frage immer erst eine Demütigung folgen muss, ehe es erwarten kann, dass jemand etwas für es tut. Es verbietet sich die Vorstellung einer glücklichen, gleichberechtigten Beziehung, denn es hat ja nichts zu bieten außer seinen Problemen.  Es entschuldigt jedes Fehlverhalten eines anderen damit, dass es selbst etwas nicht richtig gemacht hat und es nicht besser verdient.

Wenn diesem Ich etwas Gutes widerfährt, wartet es nur nervös darauf, dass es dafür eine Klatsche kassiert, dass etwas Schlimmes das ausgleicht und die Freude kaputt macht, die sich deshalb erst gar nicht recht einstellen will.

Es macht ständig Vorwürfe. Faul. Unordentlich. Nicht genug. Nie genug. Wertlos. Peinlich. Zu wenig. Es braucht sie gar nicht auszuformulieren, das Gefühl der Minderwertigkeit ist immer präsent.

Ich wäre dieses Ich gern los, doch es ist über die Jahre ein Teil von mir geworden. Ich kann es nicht abschütteln, nur ändern. Denn ich habe noch ziemlich viel Leben vor mir und will das nicht damit verbringen, mir alles zu verbieten. Dafür bin ich zu wertvoll.

Zu viel Spiegel

Manchmal habe ich Angst davor, verliebt zu sein, so wie jetzt gerade. Ich finde jemanden toll. Innerlich zähle ich mir sermonartig auf, was mich alles zu jemandem macht, den man nicht haben will. Alle meine Unperfektheiten, die eigentlich gar nicht schlimm sind. Meine Macken. Charakterlich wie körperlich. 

Also bekomme ich Angst, das könnte „rauskommen“ und alle zeigen mit dem Finger darauf. Eine alte Angst. 

Entstanden in einer Zeit, in der auf jede meiner noch so winzigen „Unnormalitäten“ mit dem Finger gezeigt wurde. In der ich dafür ausgelacht und abgewertet wurde. Wie ein Sandstein, der gern ein Diamant wäre. 
Schade eigentlich, denn verliebt zu sein ist etwas Schönes. Ich mag es, versehentlich zu vergessen, was ich sagen wollte, wegen eines Lächelns. Ich mag zum Lachen bringen, weil mir das Lachen gefällt. Auf die Schippe nehmen, um eine intelligente Retourkutsche zu kassieren. Und man sucht sich schließlich nicht aus, dass das passiert. Es passiert eben. [schnipps]
Nur mich selbst dabei auf meine Fehler zu reduzieren, das mag ich nicht. 

Deshalb igle ich mich jetzt noch ein bisschen ein und warte, dass das vorbeigeht. 

Liebste Grüße aus dem Off

Lari

Das liebe Geld

Das mit dem Geld ist ja nicht nur bei mir ein immer mal wiederkehrendes Thema.

Es ist nicht alles, es macht allein auch nicht glücklich, es ist ungerecht verteilt und meistens ist zu wenig davon da.

Soweit der allgemeine Tenor.

Ich selbst habe einerseits lange gebraucht, um mit Geld richtig umgehen zu können, andererseits auch recht lange sehr bis zu wenig davon gehabt zum Leben.

Und ich hatte zum Glück viel Hilfe und zeitweise genug Jobs (naja, maximal 2. Lassen wir die Kirche im Dorf.) gleichzeitig, um das alles irgendwie zu wuppen.

In dieser Zeit baute ich Schulden ab, die ich zwar mit-, jedoch nicht allein verschuldet hatte. Wochentags in Vollzeit im Büro, wochenends in Teilzeit beim Pizzaservice. Von diesen Wochenenden habe ich gelebt, alles andere ging an die Gläubiger, 6 Monate lang, in denen ich glücklicherweise keine Miete zahlen musste, sondern bei meiner großartigen Mutter wohnen durfte.

Danach fing ich in kleinen Schritten wieder an, selbstständig zu werden. Doch trotz allem habe ich über die Jahre weiterhin jeden Cent zweimal umgedreht.

Jetzt bin ich bald zehn Jahre im Unternehmen, mein Einkommen ist also durchaus ein anderes. 

Ich arbeite in Teilzeit, natürlich der Kinder wegen, bekam noch nie Unterhalt, „nur“ Unterhaltsvorschuss. Immerhin ab Juli wieder für beide Kinder, was ich doch sehr schön finde. Bezahle für die Betreuung beider Kinder anteilig, was ich muss, bezahle Miete und Steuern, Versicherungen, Essen und Trinken, Freizeitlichkeiten, alles allein – und es geht uns gut. Ich frage mich nicht am Monatsersten, was wir bis zum Gehalt am 16. essen sollten, Tapete oder Moos. Sicherheitshalber schaue ich alle paar Wochen auf mein Konto und überschlage die Fixkosten des kommenden Monats. 

Neu ist seit etwa einem Jahr, dass ich dann überrascht feststelle, dass alles in Ordnung und im finanziellen Rahmen ist. Nachdem ich 12 Jahre lang ständig zu wenig Geld für alles mögliche hatte, lieber verzichtet habe, lieber zuhause blieb, lieber nur wünschte, statt mir zu kaufen, was auch immer – auf einmal kann ich.

Und – auch sicherheitshalber – bete ich mir dann immer wieder vor, dass ich das allein geschafft habe. Ich habe mir diesen Stand der Dinge erarbeitet und ich darf ihn genießen und mich darüber freuen. 

Es ist mein persönliches kleines Beispiel dafür, dass man eigentlich alles schaffen kann. Sowas ist wichtig. 

Stempel

Abgesehen von persönlichen Präferenzen, wie in meinem letzten Beitrag beschrieben, habe ich ein grundlegendes Problem damit, jemanden toll zu finden.

Nämlich meinen Familienstand. Ich bin Alleinerziehende.

Als Alleinerziehende wird einer zum einen grundsätzlicher Männerfang angedichtet. Frau ist laufend auf der Suche nach einem Ernährer. Ihr ist dabei egal, ob er nett, lustig, klug ist, Hauptsache, er bringt Geld nach Hause, wo es chronisch knapp ist.

Zudem ist sie im heutigen Volksmund nicht wählerisch, denn sie muss ja froh sein, wenn sie einer haben will, mit ihren Kindern von anderen Männern, schlecht gewählt waren die, sonst wäre die Alleinerziehende ja nicht allein mit ihrem „Problem“.

Auch hat jede Alleinerziehende ganz besondere Qualitäten, die diesen unschönen Umstand der vorhandenen Kinder irgendwie wettmachen. Natürlich spricht hier NIEMAND ganz sexistisch von Bettqualitäten, Kochkünsten oder hausfraulichem Maximaltalent. Niemand!

Ich „ernähre“ meine Kinder und mich selbst. Ich finde mich klug und witzig genug für normale Verhältnisse. Ich kann kochen, manchmal sogar backen, meine Sexualität geht nun wirklich niemanden etwas an, und ich halte soviel Ordnung wie möglich.

Ich erhebe den gewaltigen Anspruch, nicht „jeden“ zu nehmen, sondern einen potenziellen Partner auch selbst haben zu wollen. Ja, als alleinerziehende Problemfrau, total verrückt, ich weiß.

Doch wenn ich jemanden toll finde, hängt über dieser Empfindung das überdimensionale Damoklesschwert des „Du bist alleinerziehend, kein Mann möchte sich das ans Bein binden, leb damit, dass du eben nicht interessant bist, kümmere dich um deine Kinder und lass die Männer in Ruhe!“

Danke dafür, heutige Gesellschaft. Danke vielmals. Das macht es uns allen soviel einfacher.

Liebe ist nicht alles

Vor einer Weile habe ich beschlossen, dass Liebe und ich getrennte Wege gehen. Zumindest eine Zeit lang. Wie lang die sein wird, weiß natürlich kein Mensch, doch seit etwa zwei Jahren bin ich allein, weil ich das so will.

Es ist kein stures Bestehen darauf, es ist kein Selbstmitleid darin, keine Resignation. Mehr eine sachliche Feststellung. Dieses ganze Beziehungsding ist im Moment nicht gut für mich, es überfordert mich und macht mich oft unglücklich, selbst, wenn gefühlt alles in Ordnung ist. Das belastet mich, das belastet meinen imaginären Partner. Deshalb ziehe ich bewusst keine Gefühle für irgendwen in Betracht, die über Liebe für meine Familie und meine Kinder, ansonsten Sympathie, hinausgehen. Klar werden mir nun manche Menschen sagen, dass man echte Liebe nicht steuern kann und dass sich das alles ändern wird, wenn „die/der Richtige“ kommt. Ja, das mag sein. Ich kann nicht hellsehen. Doch im Moment könnte ich nicht unterscheiden, ob es diese „echte, wahre Liebe“ ist oder einfach ein weiteres Risiko, mich ungewollt in eine selbst verschuldete Abhängigkeit zu begeben, und würde mich weigern. 

Ich habe wegen der seelischen Versehrung lange gebraucht, bis ich allein sein konnte, ohne innerlich panisch oder hilflos durchs Leben zu trudeln. Dieses Leben, das ich jetzt habe, in dem ich mich mit mir selbst wohl fühle und meine eigene Chefin bin, ist für mich besonders. Nie habe ich es vorher geschafft, mich nach mir zu richten und nur nach mir. Sobald mir jemand wichtig ist, versucht meine innere Schraubzwinge, mich nach dessen Erwartungen auszurichten. 

Solange das so ist, lasse ich niemanden an mich ran und gebe keinem Reiz eines anderen Menschen mehr nach. Gucken ist okay, träumen erlaube ich mir noch nicht – wobei das keine bewusste Entscheidung ist: Sobald in etwas, dass ich mir wünsche oder vorstelle, ein realer Mensch eine Rolle spielt, bremst mich etwas aus, das unglücklicherweise Teil meines Unterbewusstseins ist, und mir sagt, dass ich nicht mal daran denken darf, denn irgendwer wird es erfahren und mich zum Gespött der Welt machen. Und im gleichen Moment verschwimmen alle Bilder dazu in meinem Kopf wie Wasserfarben in der Dusche. Natürlich ist das heute Quatsch, doch dieser Kopf hat das vor 20 Jahren unter grausamen Schulkindern gelernt und weigert sich bisher, umzulernen.

Zuerst arbeite ich daran, mich mir selbst nicht mehr ständig unter Wert zu verkaufen. Finde es okay, abends mit mir allein zu sein. Und lasse meinen inneren Teenager leicht verwundert zugucken.