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Erfolgsstory

Hallo,

ich bin eine Erfolgsstory.

Ich bin schwieriges Kind, Mobbingopfer, Scheidungskind, Gewaltopfer, alleinerziehend, alleinstehend.

Ich habe einen Job, der mich glücklich macht, meine Kinder sind gut versorgt, habe eine wunderschöne Wohnung, eine funktionierende Sozialstruktur, einen Hund und ein gutes Leben.

Ich will niemandem sagen „vergleich dich mit mir und fühl dich schlecht“. Niemandem absprechen, wie schwer jede einzelne dieser Vergangenheiten auf einem lasten kann.

Nur jedem, der jetzt leise oder laut dache „Ich auch.“: Gib nicht auf. Gib niemals auf. Es ist wichtig, was du bist, nicht, was irgendwer oder irgendwas anderes aus dir machen will.

Tschüs.

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An Kreuzungen

Menschen betreten mein Leben und verlassen es wieder.

Manche nach einem Augenblick, einige nach einer Weile. Andere nach einer langen Zeit und wenige bleiben, bis einer von uns für immer geht.

Alle verlassen es aus dem gleichen Grund: Weil das Leben eben so ist. 

Deshalb habe ich aufgehört, mich zu fragen, was ich falsch gemacht habe, wenn das passiert. Das frage ich mich schließlich auch nicht, wenn jemand stirbt, den ich lieb habe. Warum also, wenn der Lebensweg des einen sich eben von meinem entfernt?

Ein paar Menschen kreuzen meinen Weg auch immer mal wieder. Das mag ich. Wenn man nach fünf, zehn oder fünfzehn Jahren (mehr gab es bei mir noch nicht, Verzeihung) wieder aufeinander trifft und einfach fragt „Na, was hast du so getrieben?“, sich davon erzählen kann und keiner beleidigt ist, weil man sich zuletzt mit 18 bei einem Bier getroffen hat.

Diese Unaufgeregtheit ist sehr erholsam. 

Legion

Hallo, 

ich bin das Internet. Ich habe viele Namen und wenige Gesichter. Doch ich habe viele Meinungen. Ich kann dir jederzeit sagen, was richtig ist. Ich sage dir, dass dein Hintern zu dick ist, deine Beine zu dünn, dein Gesicht zu hässlich, deine Haare zu kurz, zu lang, zu hell, zu dunkel, dass du zu viel oder zu wenig isst, dich falsch kleidest und nicht die richtigen Nachrichten liest, um dir eine Meinung zu erlauben.

Ich sage dir, dass du dich schminken musst, dass du dich anders schminken musst, dass du dich lieber nicht schminken solltest. Dass deine Haut schlecht ist, zu fettig, zu trocken, zu faltig, zu blass, zu braun, zu tätowiert, zu gefiltert. 

Ich erkläre dir, dass deine Lieblingsmusik zum Kotzen und total lächerlich ist, dass dein Lieblingsspiel scheiße und die Grafik das Letzte ist. Dass dein Handy nichts kann und dein Lebensmodell zum Scheitern verurteilt ist. Und deine Ernährung erst, völlig verantwortungslos. 

Ich weiß, wann du zu traurig, zu wütend, zu albern bist, und gebe dir zu jeder Zeit darüber Bescheid. Wenn du dich nicht internetgemäß fühlst, sage ich dir, was du empfinden musst, du musst es dann nur noch machen. Gib mir, was ich will, werde ein Teil von mir, dann geht es dir besser. 

Ich sage dir, welche Fotos du von dir machen darfst, dass du mit DEM Profilbild gar nicht erst kommentieren solltest, deine sexuellen Präferenzen und geschlechtliche Identität, ich sage dir, was du wirklich denkst und weshalb du wie auf was antwortest. Nicht zuletzt sage ich dir immer, wenn du selbst schuld bist, weil du ja nicht schreibst und nicht zeigst, was man schreibt und zeigt, wenn man eine andere Reaktion will.

Ich weiß auch genau, was du brauchst und willst, gebe dir gern jederzeit darauf Antwort, egal, ob du sie willst. Ich frage nie selbst, denn ich bin das Internet. Ich hinterfrage schon gar nicht, denn das Internet ist allwissend und hat immer recht.

Mein Name ist Internet, denn wir sind viele. 

Gesprächsnotizen

Ich höre seit ein paar Wochen einem guten Freund zu, wie er seine verflossene Beziehung verarbeitet. 

Manchmal, weil ich zu nett bin, meistens, weil ich ihm einfach zuhören möchte, oft, weil ich weiß, dass er zugehört zu haben braucht.

(Hier sei kurz gesagt: Er hat diesen Post vorab abgesegnet.)

Oft bekommt er Gegenwind von mir. Ich möchte euch erzählen, wieso.

Es ist wie eine dieser Geschichten. Sie betrügt ihn, sie verlässt ihn, er liebt sie, er möchte sie zurück. So oder ähnlich hundertfach in Büchern, Krimis, dem täglichen Leben vorgekommen. 

Ich horche immer da auf, wo Kausalitäten nicht hingehören, wo verallgemeinert und zu Unrecht gleichgestellt wird.

Und ich falte ihn. Oh, wie ich ihn manchmal falte. Auch wenn er derjenige ist, der weniger falsch gemacht hat, mag man sagen.

Doch der betrogene Mensch, der trotzdem wieder vertrauen will, stellt Forderungen, die nur auf den ersten Blick gerecht sind, und verlangt, was nur den Anschein von Vergeltung erweckt. 

Ich will sie und was wir hatten zurück. Aber irgendwann wird sie ihre Freiheit wollen. Wird etwas allein tun wollen. 

Nicht irgendwann. Immer. Von Anfang an. Und du gewährst ihr diese Freiheit, wenn du willst, dass sie bleibt. Egal, ob sie letztendlich bleibt oder nicht. Alles ist offen und du kannst dir das nicht von vornherein garantieren lassen.

Ich will ihr wieder vertrauen. Das wird ein harter Weg.

Für euch beide. Du musst ihr vertrauen wollen, darfst nicht verlangen, dass sie sich das irgendwie erarbeitet, während ihr beide nicht wisst, wie das gehen soll.

Sie darf dann nicht mehr eifersüchtig sein, ich darf ihr dann aber misstrauen, sie hat ja betrogen. 

Kein dürfen und müssen. Kein Gleiches mit Gleichem. Klare Worte. Verwahre dich gegen unrechtmäßige Forderungen nach Kontaktverbot, lebe aber damit, dass dein Misstrauen dein eigenes Problem ist, wenn du kommunizierst, vertrauen zu wollen.
Vertrauen ist zerbrechlich. Und schwer rekonstruierbar. Aber verspieltes Vertrauen, dass man sich wünscht, wieder haben zu können, macht einen nicht überlegen. Finde ich. Es ist okay, eine zweite Chance zu geben und zu fordern, dass sie genutzt wird. Es ist nicht okay, sich überzuordnen und Beweise zu verlangen. Druck auszuüben. Stärke zu demonstrieren durch „Du hast aber..“. 

Was man tut, ist die eigene Freiheit. Was man entscheidet. Mit jemandem zu reden ist kein Betrug. Der Betrug beginnt bei der Unehrlichkeit. Beim Verschweigen demjenigen gegenüber, der einem vetraut. Doch den Vertrauensbruch künstlich zu vergrößern, um den eigenen Anspruch auf Wiedergutmachung zu verstärken, finde ich verwerflich.

Dafür gebe ich ihm dann doch jedesmal einen Arschtritt. Arschtritte kann ich inzwischen ganz gut. 

😊

Lemmy

Ich habe schon mit 15 Lemmy als mein Idol auserkoren. Und nie was auf ihn kommen lassen.

Natürlich ist es kein adäquater Lebensstil, sich hauptsächlich von harten Alkoholika zu ernähren und Drogen zu konsumieren.

Abgesehen davon war Ian „Lemmy“ Kilmister aber ein Mann, der gesagt hat, was er dachte, stets unverblümt, und dessen Denke in vielem meinen Idealen entsprach. Bis heute entspricht.

Er hat Extremismus verurteilt. Er hat erklärt, weshalb für ihn Glaube nicht in Frage kommt. Wieso man Stärke zeigen muss im Angesicht der Anschläge in Europa – siehe Bataclan.

Und auch auf persönlicher Ebene hat er nicht verherrlicht oder entschuldigt, wie er lebte, aber immer dazu gestanden. 

Und dieses Standhafte, dieses Klare und Direkte, das habe ich mir schon immer zum Vorbild genommen. So wollte ich und will ich gern sein. Gern ohne täglichen Jack Daniels, ohne täglichen Rausch, ohne Koks oder was auch immer. 

Aber ich nehme mir diese positiven Eigenschaften mit und versuche, sie umzusetzen und weiter zu verbreiten. Denn ich denke, dass das eine gute und wichtige Message ist. 

It was the wolf in me.

And all my soul was fire.

Origami

‪Spuren auf der Seele sind wie ein Knick in dickem Papier. Man kann immer wieder darüber streichen, er bleibt trotzdem zu sehen. ‬

Wie über einen Knick in Papier streicht man auch über Spuren auf der Seele, nur nicht mit dem Finger, sondern mit neuen Erfahrungen. Welchen, die bestenfalls nicht wieder knicken, sondern glätten. Die beibringen, dass nicht alles böse Knicke hinterlässt.

Wenn man Papier oft genug glatt streicht, wird die Stelle, an der der Knick war, irgendwann glatt. Man sieht noch, dass da etwas war, weil sich Staub dort gesammelt hat, weil kleinste Risse immer zu sehen sein werden, aber irgendwann ist es nur noch eine farbliche Abweichung.

Wenn man Erlebtes oft genug anders erfährt, wird die Stelle, an der die Seele zerknickt ist, auch irgendwann glatt, hört auf, zu ziepen, und vernarbt. 

Das macht Therapie und das, was man daraus mitnimmt. Zumindest für mich. Und darüber bin ich sehr froh.

Mein Gaslighting-Ich

Dieses Ich macht nichts richtig und ist an all seinen Problemen selbst schuld. Egal, welche Schwierigkeiten aufkommen, ob beim Großen in der Schule, bei der Suche nach einem Kitaplatz für den Kleinen, ob eine kaputte Heizung oder ein Missverständnis bei der Arbeit. Dieses Ich sucht und findet immer eine Erklärung, warum es allein dafür verantwortlich ist und nicht um Hilfe fragen darf. Mehr noch, warum es sich dafür quälen und strafen muss.

Dieses Ich glaubt, dass es nichts verdient hat, das es glücklich macht. Dass auf eine Frage immer erst eine Demütigung folgen muss, ehe es erwarten kann, dass jemand etwas für es tut. Es verbietet sich die Vorstellung einer glücklichen, gleichberechtigten Beziehung, denn es hat ja nichts zu bieten außer seinen Problemen.  Es entschuldigt jedes Fehlverhalten eines anderen damit, dass es selbst etwas nicht richtig gemacht hat und es nicht besser verdient.

Wenn diesem Ich etwas Gutes widerfährt, wartet es nur nervös darauf, dass es dafür eine Klatsche kassiert, dass etwas Schlimmes das ausgleicht und die Freude kaputt macht, die sich deshalb erst gar nicht recht einstellen will.

Es macht ständig Vorwürfe. Faul. Unordentlich. Nicht genug. Nie genug. Wertlos. Peinlich. Zu wenig. Es braucht sie gar nicht auszuformulieren, das Gefühl der Minderwertigkeit ist immer präsent.

Ich wäre dieses Ich gern los, doch es ist über die Jahre ein Teil von mir geworden. Ich kann es nicht abschütteln, nur ändern. Denn ich habe noch ziemlich viel Leben vor mir und will das nicht damit verbringen, mir alles zu verbieten. Dafür bin ich zu wertvoll.